Emocore. Wie kann man Boysetsfire nur als "Emomusik" bezeichnen, werden viele schimpfen. Doch zumindest für die erste Platte finde ich keine bessere Kategorisierung. Ist das schlimm, muss man sich deswegen schämen, dieses Album zu haben und zu lieben? Keineswegs!!!!!
Denn dieser Emo/Screamo hat mit dem "0815- Standardemo" heutzutage rein gar nichts gemein. 11 ungemein gefühlvolle, teilweise beunruhigend bis bedrohlich schrill instrumentalisierte Lieder voller Trauer, Verzweiflung Wut und Hoffnung nehmen einen in Gestalt des Sängers Nathan Gray knapp 40 Minuten mit an die Hand auf eine abgründige Reise. Nathan schreit sich die Seele aus dem Leib, jammert wenn es sein muss und schlägt mit Worten wie Knüppeln um sich.
Es geht auch politisch zur Sache, musikalische Agression dient als Mittel der Reaktion auf stinkende Mißstände, erlittene Verletzungen, erfahrene Unehrlichkeit und zerstörte Träume. Große Gefühle, groß instrumentalisiert. Ehrlich.
Roh deswegen, weil die Produktion wirklich einfach daher kommt. Und das hört man. Aber es steht dieser LP ausgesprochen gut zu Gesicht.
Denn was neu entsteht ist meist unreif, ist wild, sucht sich noch und ist selten sofort perfekt. Perfektion ist ausserdem selten spannend...
Haben Schubladen ihre Berechtigung? Da teilen sich die Meinungen.
Aber wer Boy Sets Fire verstehen möchte, muss diese Scheibe hören. Emo hin oder her.
RIP BSF.