Als ICED EARTH das "Dark Saga" Album 1996 veröffentlichten, stellte sich dies retrospektiv als ein gewaltiger Schritt hin zu neuen musikalischen Ufern dar. Vieles hatte sich verändert, nur ausnahmsweise einmal nicht der Sänger, denn Matthew Barlow, der zuvor schon das ungemein harte "Burnt Offerings" Album eingesungen hatte, übernahm auch auf diesem Werk sicher und überzeugend seinen Part. Musikalisch waren jedoch ganz deutliche Veränderungen auszumachen, die einen Bruch der Band mit ihrer Vergangenheit aufzeigten. Auf "Dark Saga" findet man mit "I Died For You" eine waschechte Ballade und auch das bisher immer vorhandene Trademark der Band, das "galoppierende Riffing" ist nicht mehr auszumachen. Abgesehen von dem für ICED EARTH Verhältnisse primitiven "Violate", daß sehr schnell (und belanglos) aus den Boxen donnert, findet man kaum schnellere Kompositionen, der größte Part spielt sich im Mid-Tempo Bereich ab. Im Vergleich zu allen drei Vorgängern wirkt dieses Album weit weniger heavy und wesentlich mehr eingängiger. Interessant ist, daß exakt mit dieser "neuen" Art der Musik ICED EARTH erstmals begannen, auch finanziellen Erfolg aus ihrer Musik zu ziehen. Deswegen verwundert es auch nicht, daß Jon Schaffer die Musik seiner Nachfolgewerke in Richtung der "Dark Saga" hin tendieren ließ. Damit stieß er sicherlich auf größere Zuhörer Scharen, verlor aber auch einen großen Teil der Individualität, die ICED EARTH unter allen anderen Bands des Genres heraushoben. "Dark Saga" ist ein gutes Album. Aber eben nur gut. Herausragend, wegweisend und individuell sind nur die Vorgänger.