Beim Lesen dieses Titel fühlt man sich fast wie in einem durchschnittlichen Rollenspiel: Die Handlung gleitet - abgesheen von leichtem theatralischen Schluckauf - recht linear dahin, typische Charaktere vom bollerigen Zwerg bis zum ängstlichen, aber geschickten Halbling folgen einander, dem Guten in der Welt und teils recht unterschiedlichen Zielen.
Wären da nicht ... Salvatores trockener Humor, der den Figuren das gewisse etwas gibt, abwechslungsreiche Wendungen, nicht immer schlüssig, aber allemal den Plot fördernd, und der durchdachte Hintergrund der Forgotten Realms, lebensnah inszeniert im berühmten Icewind Dale. Nicht zu vergessen: Monumentale Kämpfe, Heldenmut und scheinbar unüberwindliche Herausforderungen, deren Überwindung ein wenig zuuu schnell zur Gewohnheit wird. Und: Der knappe, aber sehr treffende Sprachstil des Autors (zumindest im Englischen).
Noch kurz zum Lieblingsdunkelelfen der Nation: Auch wenn man hier Drizzt das erste Mal kennen lernt - Ansätze zur Charaktertiefe bietet für diese spannende Figur eher die "Dark Elf Trilogy". Hier spielt er eher den plakativ-anziehenden Part des überlegenen, aber verkannten Zen-Meisters aus diversen Alt-Eastern.
Alles in allem verlangt mir die eigenwillige Mixtur aus Salvatores Alchimistenküche doch 4 Punkte ab, weil sie einfach ein ganz eigenes Lesegefühl irgendwo zwischen Pulp-Roman und epischer Fantasy etabliert - und trotz aller Schwächen gefallen und fesseln kann. Freunde des Genres, die diese Trilogie nicht lesen, haben was verpasst.