Es ist ein bisschen gemein, über diesen Film zu urteilen. Das Bonusmaterial beweist, wie engagiert und überzeugt die Filmcrew war. Wobei "engagiert" betrifft wohl augenscheinlich alles rund um das Drehbuch, nur nicht dieses selbst.
Der Film ist extrem Low-budget, also soll man über Bild- und Soundqualität nicht wirklich urteilen. Auch nicht über die schauspielerischen Leistungen, doch gibt es hier so viele grauenhafte Löcher im Script - weniger Unlogik, schon eher Unsensibiliät im Umgang mit den entscheidenden Détails - dass der Film als purer Horror-Gag durchgehen könnt:
1: die Leute "suchen" keine Schlangen, sie gehen einfach so durch den Wald und schreien sich an, weil noch keiner je eine Schlange gesichtet hat. Die Wut, die da entsteht, würde nicht mal in einer unkollegialen Sportmannschaft nach 1 Woche Isolierung in einem U-Boot entstehen. Darum:
2: Was sich bei BlairWitch erst über Stunden hinweg herausspüren liess - die immer ungemütlicher werdende Gruppendynamik - wird hier innerhalb eines Bildschnittes getan. Plötzlich schreit man sich an, lässt nach wenigen Minuten verlauten "wir kommen hier nie raus". Grad diese eskalierende "jeder-könnt-jeden-hassen"-Spannung, die solche Gruppenfilme ausmachen, wird hier auf höchst ulkige Art umgesetzt.
3: Na eben, das Drehbuch: man glaubt dem Regisseur augenblicklich, wenn er im Bonusmaterial sagt, dieses um 2 Uhr morgens begonnen und irgendwann am nächsten Tag vollendet zu haben. Da trifft die Gruppe des Nachts auf eine Gestalt und alle 5 rennen panisch weg, das Mädel schreit bereits "Er wird uns alle umbringen!". Der Schrecken wird weder inszeniert noch aufgebaut, er muss dem Zuschauer quasi aufgezwungen werden, dass dieser "glaubt", ein Schreckensszenario mitzuerleben.
4: Null Aufbau, Null Spannung: nach einem halben Tag kriechen sie schon scheinbar ausgelaugt und am Ende ihrer Nerven über den Waldboden, wobei dies alles und die ganze Hoffnunslosigkeit arg und schlecht überspielt wird. Auch hier mussten Dialoge hin wie "Das ist das Ende... wir sind verloren, ganz alleine UND HILFLOOS!!" Dann aber nicht nur einmal schnell, sondern immer und immer wieder, und kein einziges mal vermag sich die scheinbare Spannung auf den Zuschauer zu übertragen.
5: Irgendwann kommen sie an eine Stelle, wo 5 Äste im Boden stecken, so wie unsereins die Zahl 5 abkürzt, 4 gerade, ein schräger Strich (siehe Cover). Dialog: "Was ist DAS denn...?" - "Das ist... eine heilige Stätte...!", will untersreichen, dass die entscheidenden Détails, für die man nicht unbedingt Budget braucht, sondern kreative Phantasie, vollkommen unterschätzt wurden.
6: ein deutscher Film mit deutschen Dialogen, deutschen Schauspielern in einem deutschen Wald, eingeblendet wird "...a few days later..." Gemäss Bonus-Material wurden sogar Tafeln gedruckt: "To set of DarkArea...", der Abspann vermag köstlich zu unterhalten, weil stets die selben 4 Namen (na vielleicht mehr) aufgeführt werden: "Production design assistant", "Actor assistant of Thomas", "Actor assistant of Manfred" (nicht wortwörtlich!)... Man merkt zudem, dass man vermutlich noch vor dem ersten Drehtag das Bonusmaterial zusammengestellt wurde, indem man sich selbst interviewt hat. Man wusste also bestens über den Inhalt Bescheid, kannte jedoch die Kniffe nicht, um es formlich gelingen zu lassen.
Man könnte die Liste weiterführen, wobei jetzt grad der letzte Punkt weniger als "Kritik" zu verstehen ist - er beweist nur, wie sehr die Filmcrew sich bemüht hat, irgendwie filmtauglicher o.ä. rüberzukommen. Dieser Film beweist, welche Leistung eben dennoch erforderlich ist, um selbst mit einer Kamera und ein paar Laienschauspielern richtige Angst zu erzeugen, obwohl die zwei Begegnungen mit der Gestalt ziemlich angsteinflössend wirken - wenn auch nur grad für 2 Sekunden. Von daher ist das original BLAIR WITCH PROJECT ein Meisterwerk (bin aber sonst einer der nicht-so-Fans-Hälfte).
The dark Area ist göttlich misslungen, ich staune umso mehr, dass es dem Film gelungen ist, sich auf Amazon, in Videotheken etc. wiederzufinden! Mann, hab ich lachen müssen! Obwohl: für einen Trash-Horror-Film tut der Streifen doch zu weh, wohingegen Ed Woods Werke auf dem absoluten Trash-Level zu unterhalten wissen. Hab schon mitgefiebert mit der Gruppe, aber auf filmtechnischer Ebene.
Aber THE DARK AREA kommt doch recht sympathisch rüber. Sind ja auch ein paar gute Kumpels, die mal einen Film drehen wollten. Mehr nicht. Und das ist auch gut so, dann kommen sie nicht auf dümmere Gedanken.