Der letzte Band der Collegia Magica-Reihe hat mir sehr gut gefallen und obwohl ich den Roman schon vor ein paar Tagen beendet habe, will mir die Story nicht aus dem Kopf gehen. "The Daemon Prism" ist mitreißend, fesselnd, dramatisch und der würdige Abschluss der Collegia Magica-Trilogie!
Kurzer Rückblick: Vor zwei Jahren ist es den ehemaligen "agente confide" gelungen, den maskierten Aspiranten und den rücksichtslosen Magier Kajetan zu stürzen, um eine Katastrophe zu verhindern. Wegen Dantes geschicktem Täuschungsmanöver gelang es ihm in "The Soul Mirror", sich in den Kreis des Feindes einzuschleichen und sich als einen der ihren auszugeben, sodass selbst seine ehemaligen Verbündeten ihn für korrupt und verdorben hielten. Der Sieg forderte aber für jeden von ihnen einen hohen Preis: Portier wurde von seinem geliebten Mentor verraten und in einem Steinsarg ertränkt, um eine Verbindung zwischen dem Totenreich und dem Reich der Lebenden herzustellen. Seelisch und körperlich gezeichnet muss er nun mit der Tatsache zurechtkommen, dass man ihn für einen "Saint Reborn" hält, der erst sterben kann, wenn seine Aufgabe in diesem Leben erfüllt wurde, was einen Mann der Logik wie Portier partout nicht einleuchten will. Der zynische und arrogante Dante dagegen, der nichts so sehr fürchtet wie die Dunkelheit, verlor durch einen Zauber des Aspiranten sein Augenlicht, was er nicht akzeptieren kann und will, denn um Magie richtig und effektiv auszuführen, muss man sehen können. An dem Tag, an dem Dante seine Fähigkeit verliert, Magie zu formen, würde der Dolch eines Assassinen laut ihm eine Gnade sein. Anne de Vernase, die in "The Soul Mirror" die Erzählerrolle übernahm, erfuhr zu ihrem Entsetzten, dass sie einer sehr alten Magierfamilie entstammt und ist nun Dantes neue Schülerin. Anne versucht ihm beizustehen, aber der stachelige Zauberer lässt niemanden an sich heran und schon gar keine junge Frau, die aus Mitleid bei ihm bleibt.
In "The Daemon Prism" bekommt Dante, der mit den Menschen und der Welt im Allgemeinen auf Kriegsfuß steht, eines Abends Besuch von einem Soldaten, der Dante von einem Traum erzählt, der ihn seit dem Tag quält, an dem er die Bitte einer jungen Frau ausschlug, die er in einer verfallenen Ruine im Gebiet wilder Magier fand. Die gefangene Zauberin bot ihm als Preis für ihre Rettung einen geheimnisvollen Saphir an, der die tiefsten Wünsche des Betrachters zeigt, aber der Soldat floh, weil ihm die Sache nicht geheuer war und seitdem sucht die Frau mit den hellen Haaren und der dunklen Haut seine Träume heim. Als Dante einen seltsamen Brief von seinem Bruder bekommt, in dem steht, dass sein Vater im Sterben liegt und was in Verbindung mit dem Traum des Soldaten zu stehen scheint, bittet er seinen ehemaligen Verbündeten Ilario de Sylvae, den er immer noch wegen dessen Torheit verachtet und den er am liebsten mit seinem Stab erschlagen würde, ihn als seine Augen und Ohren zu begleiten um des Rätsels Lösung zu finden. Während Portier sich in Abidaijar aufhält, um seiner seltsamen Vergangenheit auf den Grund zu gehen und Anne zu ihrer Familie zurückkehrt, wird Dante aufgrund seines schlechten Rufs als Nekromant, Verräter, Mörder und Monster von unbekannten Männern, Templern und Kopfgeldjägern verfolgt und da er sein Magierkollier per Gesetz der Camarilla nicht verstecken darf und es weit und breit nur einen einzigen Magier gibt, der blind ist, wird die Reise in seine Vergangenheit zum Spießrutenlauf ...
Wie auch bei ihren vorherigen Bänden ist es vor allem die Charakterdarstellung, die Carol Bergs Romane so interessant machen. Dante ist wohl einer der interessantesten Charaktere überhaupt und ich habe mich so gefreut, als ich gelesen habe, dass er die Haupt-Erzählerrolle in "The Daemon Prism" übernimmt! Der infamose Magier ist gemein und misanthropisch wie eh und je ("as I suppressed my trembling and the impulse to murder half the world's population ..."), aber da man als Leser nun auch Einblick in seine Gedanken hat, erkennt man, dass Dante dazu neigt, das Gegenteil von dem zu sagen, was er wirklich fühlt und denkt. Seit seiner Kindheit hat er nur Schlechtes von den Menschen erfahren, die ihn doch eigentlich lieben sollten und das hat ihn so stark geprägt, dass er einfach nicht über seinen Schatten springen kann. Seine innere Zerrissenheit merkt man besonders gut im Umgang mit den zwei Menschen, die er liebt und um die er sich sorgt: Portier und Anne. Seinem einzigen Freund Portier hat Dante am Ende von "The Soul Mirror" weismachen wollen, dass Anne ihn gerettet hat, obwohl er selbst Portier lieber geopfert hätte. Als Dante aber in "The Daemon Prism" erfährt, dass Portier in Gefahr ist, muss er sich zusammenreißen, um nicht durchzudrehen und blind um die halbe Welt zu reisen, um seinen ehemaligen Schüler zu retten. Wenn Anne versucht, ihm näher zu kommen und ihre Gefühle auszudrücken, ignoriert er sie, legt es als Mitleid aus oder blockt ab, aber seine Zuneigung zu ihr ist viel stärker, als Dante es sich selbst eingestehen will. Trotz seiner Fähigkeit zu tiefen Gefühlen verschönert oder entschuldigt Carol Berg nichts und stellt Dante als den da, der er ist: ein wissenshungriger Magier, der wortwörtlich über Leichen geht, um an sein Ziel zu kommen.
Ilario spielt anfangs wieder den Narren, sein Schild und seine zweite Persönlichkeit, aber Dante kommt schnell auf den Gedanken, dass der Feigling Ilario nicht wirklich derselbe mutige Mann sein kann, der an seiner Seite reitet und ihn beschützt. Wenn man sein Augenlicht verliert, werden andere Dinge dafür umso klarer. Ilario interagiert mehr mit anderen Charakteren als in den vorherigen zwei Bänden und man erfährt mehr über seine Person. Dantes Bruder Andero habe ich wegen seiner Freundlichkeit und Ausgeglichenheit sofort ins Herz geschlossen und Anne beweist einmal mehr, was für eine starke Persönlichkeit sie ist! In ihren Augen sind Dante und sie zwei Hälften einer Münze, "mirrored souls", und was Stärke, Entschlossenheit, Leidenschaft und Mut angeht, hat sie eindeutig Recht. Der sanftmütige Portier gerät erneut ins Visier der Feinde, die sich seine scheinbare Unsterblichkeit zunutze machen wollen, aber Portier ist trotz seiner zierlichen Erscheinung eigensinnig und willensstark und bereit, das größte Opfer von allen zu erbringen.
Fazit: "The Daemon Prism" ist spannend, unfreiwillig komisch, nachdenklich und tragisch. Liebe, tiefe Freundschaft, Opferbereitschaft, Selbsterkenntnis und Wiedergutmachung spielen in Carol Bergs Romanen eine große Rolle und das ändert sich auch nicht im Abschlussband der Collegia Magica-Reihe. Im Gegensatz zu "The Soul Mirror" hat "The Deamon Prism" ein paar Längen und es gibt einige Parallelen mit ihrer Rai Kirah-Trilogie, die aber nichts mit der Handlung zu tun haben. Das Ende von "The Daemon Prism" ist bittersüß und besonders die Entscheidung einer Person hat mich sehr mitgenommen, denn es gibt kein Schicksal, nur Entscheidungen und was wir aus ihnen machen. Die Geschichte von Dante, Anne, Portier und Ilario ist eine Geschichte, die mir noch lange im Gedächtnis bleiben wird und daher fünf wohlverdiente Sterne von mir. Super!