Insgesamt habe ich nur dreimal nach dem Hören einer Platte geglaubt, die Musik sei neu erfunden worden. Diese war eine davon. Auch wenn ich von dieser Ansicht Abstand genommen habe, bleibt "The Cry" doch ein großartiges Album. Hauptsächlich angefüllt mit Material ihren ersten beiden Alben, übertrifft es diese doch um Längen, da die Stücke abseits des hier zusammengefaßten "Crying For Help"-Zyklus doch in erster Linie lang(atmig) sind. Dieses, hauptsächlich aus Instrumentalnummern bestehende Album ist frei von Längen, und man fragt sich, warum Arena diesen Zyklus nicht gleich auf eine Platte gepackt haben.
Hier haben wir es nicht mit der Band zu tun, die unverdrossen vom Fortlauf der Zeit versucht, den Marillion-Kurs der frühen 80er fortzusetzen (Schlagzeuger Mick Pointer war Gründungsmitglied von Marillion), was, wie uns die Solowerke von Fish lehren, nur in der Sackgasse der Selbstzitate enden kann, sondern mit einem gänzlich eigenen Entwurf des ProgRock für die Gegenwart, der zeigt, daß diese Art Musik tatsächlich noch progressiv sein kann. "The Cry" ist ein extrem dichtes, bewegendes und mitreißendes Album, dessen Qualität Arena nie mehr erreicht haben. Auch wer die ersten beiden Alben und das Live-Album "Welcome To The Stage" besitzt, sollte sich diese Platte nicht entgehen lassen, schon die neuen Beiträge und die Neueinspielungen (bei "Only Child" gibt Steve Rothery ein tolles Gastspiel) lohnen den Kauf allemal.
Dieses Album wurde völlig zu Unrecht von der breiten Masse, aber auch von den Freunden des ProgRock übersehen. Es ist aber nicht das erste Meisterwerk, dem solches widerfuhr. "The Cry" ist meiner Meinung nach das perfekte Einstiegswerk für Arena (ich habe die Band damit kennengelernt) und ein Muß für alle Leute, die Prog Rock nicht inzwischen als eher rückwärts gewandte Musik verstehen.