Und hier endet sie nun wirklich, eine der in meinen Augen ehrgeizigsten und atemberaubendsten Geschichten, die das Genre je hervorgebracht hat... die mich über zehn Jahre hinweg gefesselt, mich immer wieder überrascht, unterhalten und mit ihrer emotionalen Tiefe überwältigt hat.
Ich muss gestehen, dass ich anfänglich mit gemischten Gefühlen an dieses Buch herangegangen bin. Was sollte schon noch kommen nach der kataklysmischen Schlacht am Ende des neunten Bandes? Und wie wollte Erikson es in nur einem Buch schaffen, all die zahllosen immer noch offenen Handlungsstränge zu einem einigermaßen befriedigenden Abschluss zu führen?
Tatsächlich verbringt der Autor die ersten 150 Seiten lediglich damit, einen Schauplatz nach dem Anderen wieder aufzugreifen, von den gestrandeten Mitgliedern der Trygalle Handelsgilde, den Neuankömmlingen in Kharkanas, den verlorenen Kindern der "Snake" und vielen anderen bis hin zu den Überresten der 'Bonehunters' und ihrer verbündeten Heere. - Gewiss kein rasend schneller Einstieg, keine direkte Fortführung des Cliffhanger-Finales in "Dust of Dreams", aber schon diese ersten Seiten rücken so manches Geschehnis in vergangenen Bänden in ein völlig neues Licht.
Vom Aufbau her gliedert sich dieser Band nahtlos in die Reihe seiner Vorgänger ein.
Wie gewohnt gelingt es dem Autor meisterlich, einen weit gezogenen Spannungsbogen aufzubauen, in dem herzzerreißend emotionale Momente ebenso Platz finden, wie Dialoge voller Humor und Situationskomik, oder bewegende Szenen heroischen Mutes. Hinzu kommt für den Leser die Spannung, wer von den inzwischen lieb gewonnenen Charakteren den Kampf mit den K'Chain Nah'ruk wohl tatsächlich überlebt haben mochte.
Darüber hinaus wartet dieses Buch wie seine Vorgänger wiederum mit einer schieren Unzahl überraschender Wendungen auf.
Vom Stil her empfinde ich diesen Band als den bei weitem poetischsten.
Sicher, die Charaktere haben auch bisher gerne vor sich hin philosophiert, aber hier gewinnt dies, mit Blick auf das Ende, in meinen Augen nochmals eine ganz eigene Qualität. Buchstäblich von Anfang an liegt ein Hauch von Finalität über allem, ein Zustand, dessen sich auch die Charaktere selbst bewusst zu sein scheinen, denn praktisch in jedem einzelnen Handlungsstrang geht es darum, das Unerreichbare zu vollbringen, das Unbesiegbare zu schlagen... zu einem Zeitpunkt, in dem es kein Zurück mehr gibt.
Dass dies das Ende der Geschichte ist beweist sich auch darin, dass in diesem Band tatsächlich viele der Handlungsstränge - teils auf erschütternde Weise - zusammenlaufen bevor es zum großen Finale kommt, einer Konvergenz bisher unerreichten Ausmaßes.
Drachen, Ältere Völker, gewaltige Armeen, ja selbst Götter, streben an einem Ort zusammen und stellen sich zum finalen Kampf, der alles bisher dagewesene in den Schatten stellt.
Die letzten 200 Seiten werden praktisch zur Gänze von der Beschreibung dieser epischen Schlacht eingenommen, in der SE den Leser noch einmal mit seiner ganzen unglaublichen Bildgewalt mitzureißen versteht.
Insgesamt hatte ich nicht erwartet, dass der Autor es schaffen würde ein so befriedigendes Ende zu gestalten, ein so klares Ende, das weder überhastet noch konstruiert wirkt, und das dennoch viele, wenn auch bei weitem nicht alle, Fragen beantwortet.
Ein wirklich würdiges Ende, kein Bilderbuch-Happy-End, aber auch kein totales Desaster ohne Überlebende.
Ein kleines Manko mag sein, dass der Autor sich am Ende ein wenig von seiner bereits bekannten Affinität für das Wiederbeleben von Charakteren hat mitreißen lassen - vor allem die völlig unnötige Wiederauferstehung einer ganz bestimmten, auf besonders schreckliche Weise umgekommenen Person fällt hier negativ ins Auge, da der Tod dieser Person dadurch für mich seine ganze Bedeutung verliert - und dass er der Versuchung nicht widerstehen konnte als Ausklang ein paar malerische, beinah schon kitschig angehauchte Details einzubauen. Ich denke aber, der Weg bis dahin war wahrlich steinig und blutig genug. So hat sich die Geschichte in meinen Augen dieses bisschen Zuckerguss verdient, ohne dadurch in irgend einer weise herabgewürdigt zu werden.
Und so sehe ich auf dieses Buch mit einem lachenden und einem weinenden Auge zurück.
Einerseits zufrieden mit dem Ausgang, begeistert von der unbeschreiblichen Intensität der Geschichte als ganzes, und andererseits traurig, dass es nun wirklich endgültig vorbei und zumindest der Hauptstrang völlig abgeschlossen ist. Auch wenn in den Spin-Offs, entweder durch Erikson selbst, oder seinen Co-Creator Ian C. Esslemont, noch Nebenstränge aufgegriffen werden.
Für mich, ein Buch der Superlative, ein brillantes Buch, und wenn ich könnte würde ich mehr als fünf Sterne dafür vergeben.