1.) Eins gleich vorneweg: Wer sich für diese Scheibe interessiert, ordere in jedem Fall die Ausführung als Doppel-CD. Die Bonus- und Livenummern von CD 2 lohnen die Mehrkosten in jedem Fall!
2.) Wer um die Schock-Rock-Blut-Trief-Vorgeschichte des Schock-Rockers Blackie Lawless weiß und gerade dabei ist, sich mit Grausen abzuwenden, der halte bitte unbedingt inne und lese ein Stück weiter!
'The Crimson Idol' hat mit Blackie Geröllheimers Vorgeschichte (und auch seinen Folge-Ergüssen) nichts gemein. Vielmehr ist diese Scheibe ein ganz hervorragend durchkomponiertes Prog-Metal-Konzept-Album. Lawless baut hier vom ersten Take an eine Stimmung auf, die sich auf hohem und höchstem Niveau durch das ganze Album zieht und den Hörer regelrecht bannt.
Fast autobiographisch erzählt er die Geschichte eines Metal-Stars (The Crimson Idol), der den Durchbruch schafft, dabei den Bezug zu Realität und Umfeld verliert und letztendlich abstürzt. Die Story des Crimson Idol wird mit einem bombastisch-symphonischen Metal, aber auch viel akustischer Gitarrenarbeit, aufgebaut und vorangetrieben. 'Geröllheimers' kratzig-rauhe Stimme passt dazu wie die Faust aufs Auge und lässt alle Takes (dieser an sich banalen Geschichte) zu hundert Prozent glaubwürdig wirken.
Etwas schwierig (ja fast verwegen!) wäre es, bei einem Konzept-Album Höhepunkte zu nennen. Um die Klasse dieses Albums zu unterstreichen, bleibt einem fast nichts anderes übrig, als alle Takes einzeln vorzustellen:
Der Opener 'Titanic Overture' zeigt von Beginn an, wo der Elefant das Wasser lässt. -Ein wahrlich bombastischer Einstieg!
Mit 'The Invisible Boy' und 'Arena Of Pleasure' folgen zwei echte Kracher, die den Hörer auf den Metal-Höhepunkt des Albums einstimmen:
'Chainsaw Charlie'! Lawless dreht hier auf, dass es einem fast das Gehirn aus den Ohren bläst. Eine sensationelle Nummer, die das schon etwas ausgelutschte Kettensägen-Klischee, wieder gerade rückt. Danach weiß jeder, dass die Kettensägen-Massaker-Gefahr noch real ist und irgendwo in den Wäldern lauert... :-)
Mit 'The Gypsy Meets The Boy' folgt ein beinahe zerbrechlich wirkendes Stück, dass sich sehr gefühlvoll aufbaut und sich dann zu einer ganz großen Nummer steigert. 'Doctor Rockter' kracht dann beinahe wieder wie die Kettensägen-Nummer. -Klasse!
'I Am One' bricht im Prinzip genauso in die Gehörgänge wie 'Chainsaw Charlie' oder 'Doctor Rockter', hält aber nicht ganz deren Klasse. Die kommt aber sofort und postwendend mit 'The Idol' wieder auf. Auch dieses Take steigert sich von seinem eher gefühlvollen Beginn zu einer äußert intensiven, balladenartigen und irre gitarrenlastigen (klasse Soli) Heavy-Hymne. Eine phantastische Nummer!
Mit 'Hold On To My Heart' bewegt sich Blackie der Gesetzlose dann in ungewohnt schmalzigen Gefilden. Das Stück ist nicht wirklich schlecht, hat aber so'n arg süßlichen Nachgeschmack...
Dass ist aber schnell vergessen, wenn Lawless 'The Great Misconceptions Of Me' anstimmt. Eine 'Wuchtbrumme' erster Kategorie! Das Take baut sich wieder mit Akustik-Gitarre und zerbrechlichem, klagenden Gesang auf, steigert sich in einen wahren Rausch, wird wieder ruhiger, ehe es in einem bombastischen Finale endet. -Spitzenklasse!!
CD 1 wird abgeschlossen durch die 16:35 Minuten lange, mit zarter Akustik-Gitarre untermalte, Geschichte des 'Jonathon (Prologue To The Crimson Idol)'. Die trägt Lawless mit einer solchen erzählerischen Dichte vor, dass es schwer fällt, davon abzulassen. Auch wenn das mit Musik nicht viel zu tun hat: Dieser Prolog (der auf der regulären CD übrigens fehlt) ist das Mosaiksteinchen, dass die Geschichte des 'Crimson Idol' vervollständigt, erklärt und somit eigentlich unverzichtbar ist!
CD 2 bietet teils sehr gutes Bonus-Material ('Phantoms In The Mirror' und 'The Eulogy') eine sehr gute, wenn auch ziemlich identische (zu Led Zepp) Version von 'When The Levee Breaks' (da möchte ich gern einen Querverweis zu John Campbells Version von 'When The Levee...' einflechten. Die ist nämlich an Intensität nicht mehr zu überbieten!).
Mit 'The Idol' und 'Hold On To My Heart' folgen zwei sehr schöne Live-Unplugged-Version der 'Crimson Idol-Story'.
Danach gibt es noch eine ganze Menge an Live-Material (Donnington 1992), in dem Blackie ebenfalls diverse Titel aus der 'Crimson Idol-Story' zum besten gibt. Zum Großteil halten die aber nicht die Klasse der Studiotakes. Auch wirkt Lawless' Stimme arg überstrapaziert!
Aber für Metal-Festivals ist 'The Crimson Idol' auch ganz sicher nicht geschrieben worden. Dass wäre, eingefleischte Headbanger verzeihen mir das nach dem Hören dieses Albums hoffentlich, wie 'Perlen vor die Säue werfen'!
'The Crimson Idol' ist ein irrsinnig gutes Album, dass den CD-Schrank eines Metal-Fans genauso ziert, wie eine reine Prog- oder Hardrock-Sammlung. Eine absolut wegweisende Scheibe!
-Wo's wie auch immer geht: KAUFEN !