Ich bin eine von den Vielen, die als Kind und Jugendliche viel gemalt und gezeichnet haben, bei denen das Ganze im Erwachsenenalter aber plötzlich nicht mehr so wichtig war. Im Beruf - Webdesign - muss ich zwar ständig kreativ sein, aber eher was Farben, Formen und Fotoauswahl betrifft. Zeichen-"Können" hat da keine Prioriät, wäre aber doch schön - und früher hat es ja auch funktioniert. Andererseits, bin ich denn überhaupt begabt genug, um einen Stift in die Hand zu nehmen? Darf ich das oder mache ich mich lächerlich?
Für das Problem mit der Begabung hat der Autor Danny Gregory ein schönes Bild gefunden: Würde man ausschließlich diejenigen Leute Auto fahren lassen, die es vom ersten Moment an nahezu perfekt beherrschen, allen anderen aber vehement davon abraten, sich jemals ans Steuer zu setzen, dann gäbe es auf er Welt sicherlich nur wenige Autofahrer. Im Buch geht es nicht um die Driving License sondern um die Creative License, die Erlaubnis, uns wieder (oder zum ersten Mal) ans Zeichen und künstlerische Gestalten zu wagen.
Der Autor holt den Leser also schnell von seinem Perfektionswahn herunter und stößt erst einmal realisierbare Projekte an. Er gibt Tipps und Hinweise, beispielsweise zum Unterschied zwischen Sehen und Wissen und wie man das Wissen erst einmal umgehen kann, um richtig hin zu sehen. Ob in jedem von uns ein kleiner Picasso steckt, bleibt dahingestellt, aber mit der Creative License, mit Spaß und Übung kommen doch schnell ganz nette Ergebnisse zustande.
Ein guter Kauf!