Nachdem "Picaresque" das wohl schönste Indiependent Album der letzten Jahre war und auch noch heute ohne Probleme begeistert, muss "The Crane Wife" nun also die schwere Aufgabe des Albums nach DEM Album meistern...
The Decemberists jedoch bedeuten Vertrauen, Konstanz, Gefühl und Ruhe.
Eingehüllt in wunderbare Melodien, in zarte Gitarren und folkige Mund- und Ziehharmonika kommen oft Erinnerungen an frühere Decemberists-Meisterwerke auf. Colin Meloy, seines Zeichens Sänger und Mastermind der aus Amerika stammenden Band erzählt im Songepos "The Crane Wife", das über drei Teile hinweg mitreißt ("The Crane Wife 3" und "The Crane Wife 1 & 2") ein japanisches Märchen, das folgendermaßen mit einer undurchsichtigen Moral aufwartet:
Ein armer Bauer rettet einen verwundeten Kranich. Dieser taucht kurze Zeit später (wie der Leser später herausfindet) in Gestalt einer Frau vor seiner Tür auf.
Die beiden leben ab jetzt zusammen, und durch feine Webkünste der Frau entfliehen sie der Armut. Doch ein Versprechen, das der Mann der Frau am Anfang geben muss und besagt, dass der Mann die Frau beim Weben nie beobachten darf, wird dem Paar und gleichzeitig dem Glück des armen Mannes zum Verhängnis: Die gewebte Seide der Frau verkauft sich sehr gut. Der Mann schleicht sich, gepackt von Neugier, in die Kammer der Frau...
Und sieht einen Kranich, der sich Federn ausreißt um diese als Stoff für die Seide zu verwenden.
Wieder einmal schafft es Colin Meloy den Hörer nicht nur mit einer perfekten Instrumentierung zu begeistern, nein er erzählt zum Anderen der Zeit entrückte Geschichten.
So auch in "The Island, Come And See, The Landlord's Daughter, You'll Not Feel The Drowning", dem absoluten Highlight der CD:
Ein Mord verschreckt den erzählenden Sänger genau wie den Käufer dieses kleinen Kunstwerks. Wieder dauert der Song fast eine Viertelstunde, wieder begeistert die BAnd mit feinstem Progressive Rock.
Außerdem wunderbar:
Das Duett "Yankee Bayonet" mit Laura Veirs, der "Summersong" mit einem Grundgefühl des Sommers, das sich über das ganze Lied hält und auch die etwas holprige Singleauskopplung "O Valencia", die nach mehrmaligem Hören aber leider ihre Mystik und Genialität verliert.
Am Ende lässt sich sagen:
Kaufbefehl für alle Fans und absoluter Tipp für alle, die die beste Band Amerikas in ihrer wunderbarsten Schaffenszeit erleben wollen!