Mein Problem mit Popautorenromanen war immer, dass die Welt, die sie beschreiben, nichts mit mir zu tun hat – leider, ich bin Mittelstandskind. Bin kein Banker oder schwuler Millionenerbe auf der Suche nach mir selbst. Zum DJ, Werber oder Künstler hat es auch nicht gereicht.
Vermutlich sind Popautoren entweder Kinder reicher Eltern oder selbst ganz froh, dass sie dem Mittelmaß durch ihren tollen Kreativjob (writer) entkommen sind. Sie wollen es nicht mehr wissen. Wenn sie schreiben, amen sie bestenfalls den Habitus der Verlegerkinder und Millionenerben nach.
Ein Zeitungsartikel hat mich dann aber doch recht neugierig auf den Roman des amerikanischen Journalisten Franzen gemacht. Sein Thema: das Elend des Mittelstandes. In 'The Corrections' versuchen die drei Kinder eines kleinen Ingenieurs und einer Hausfrau aus dem Kleinstadtmief des Midwest zu entkommen. Sie zieht es in die Städte der Ostküste. Alle drei wollen die Fehler ihrer Eltern in ihrem eigenen Leben korrigieren. Schlechter Sex, Bausparvertrag statt Aktien und immer die falschen Bücher gelesen – das muss sich im Amerika der neunziger ändern lassen, jeder schafft es, wenn er nur will. Dass sie bei ihren Korrekturen scheitern müssen, wird schnell klar.
Genial ist die Detailfreude, mit der Franzen die Welt der Mittelstandsflüchtlinge beschreibt, so gesehen, ist er Popautor. Eine Reise durch die P.C.- verrückten Universitäten der neunziger, dem kurzzeitig explodierenden Wohlstand der Kleinaktionäre, den Abgründen der Dienstleistungsgesellschaft. Niemals anklägerisch, aber immer dahin, wo es richtig weh tut.
Von der resignierenden Grundstimmung her ähnelt 'The Corrections' am ehesten noch Houellebecq, vom Umfang und der Vielschichtigkeit der Geschichte eher den Klassikern des bürgerlichen Bildungsromans, der Vergleich mit den Buddenbrooks liegt nicht ganz falsch - jutet Buch!