Zum Inhalt: Paul Krugman, Wirtschafts-Nobelpreisträger 2008, belegt in diesem Buch das Auseinanderdriften der US-amerikanischen Gesellschaft mit einer winzigen, mächtigen Gruppe von Super-Reichen, einer stetig kleiner werdenden, wohlstandsmässig zurückfallenden Mittelschicht, und einem skandalös anwachsenden Bevölkerungsanteil von Habenichten, die noch nicht einmal Anspruch auf eine medizinische Grundversorgung haben. Krugman unternimmt mit diesem Buch den Versuch, die Ursachen dieser Entwicklung aufzuspüren, denn er meint dass dieser Trend umgekehrt werden kann, da er nicht auf unbeeinflussbaren Einflüssen wie der Globalisierung beruhe, sondern seit der Amtszeit von Reagan bis hin zu Bush jun. systematisch politisch herbeigeführt wurde. Dazu geht der Autor zunächst 100 Jahre zu den Zeiten des Frühkapitalismus zurück, der bis zur Depression in den 1920iger Jahren schon einmal die Einkommenschere zwischen einer finanziellen Oberschicht und breiten abhängigen, mittellosen Massen auseinanderklaffen liess. Franklin D. Roosevelt gelang es dann während des "New Deal", vor allem durch stark progressive Besteuerung, auch die breite Mittelschicht am zunehmenden Wohlstand teilhaben zu lassen (Zeit der Kompression). Gesteuert und finanziert von einer kleinen Gruppe konservativer Republikaner ("movement conservative") begann dann mit Reagan die erneute Auszehrung des Mittelstandes und die systematische Bevorzugung der Interessen der Superreichen. Krugman erklärt den Widerspruch, dass das Wahlvolk letztlich gegen seine eigene Interessen gewählt hat, mit geschickter Täuschung der Wähler ("Freiheit oder Bürokratie") und unterschwelliger Ausnutzung von Rassenhass; er belegt dies mit vielen Zahlen und geht im letzten Drittel des Buches detailliert darauf ein, wie diese seiner Meinung nach für die USA schändliche und schädliche Entwicklung rückgängig gemacht werden kann.
Zum Stil: Dieses Buch ist mit Leidenschaft, teilweise polemisch geschrieben. Viele aufgeführte innenpolitische Details interessieren den europäischen Leser vielleicht nicht so, obwohl die Thematik ja Aauch in Europa nach Änderungen ruft. Es finden sich reichlich Literaturangaben, oft in Form von Weblinks; leider funktionieren schon jetzt (1 Jahr nach Veröffentlichung) ca. 10% der Links nicht mehr (abgesehen davon, dass es keine Garantie dafür gibt dass der Inhalt inzwischen nicht verändert wurde). Paul Krugman schöpft aus einem grossen Wortschatz, auch bei guten Englisch-Kenntnissen sollte man ein Lexikon parat haben. Insgesamt ein erfrischendes, aktuelles, empfehlenwertes Buch!