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Story 1) Bonanza: Hauptperson Jack Shaftoe -- ein Abendteuerroman (Freibeuter- und Piratengeschichte) in Anlehnung an die Schatzsuche in Cryptonomicon. Schauplatz ist das Mittelmeer, Nordafrika, der mittlerer Osten, der Pazifik, Südamerika und schliesslich wieder England. De-facto wird hier eine Reise um die Welt in 17 Jahren dargestellt.
Story 2) Juncto: "Das Leben zu Hofe" mit der Hauptperson Countess Eliza und diversen Wissenschaftler (bekannt aus Teil1). Spielt in Frankreich, den Niederlanden, Preußen und Leipzg. Ist in Teilen als "Briefroman" geschrieben. Somit werden viel Handlung und große Zeiträume kompakt und auf das Wesentliche reduziert dargestellt.
Im Vergleich zum Vorgänger gibt es eine weitaus geringere Rolle der Wissenschaft. Neben den aus Quicksilber bekannten thematischen Merkmalen wendet sich die Geschichte neuen Schwerpunkten zu:
* den Grundlagen des (bargeldlosen) Handels und Währungssystemen
* der (spanische) Inquisition
* jeder Menge Spionage und Gegenspionage sowie Information und Desinformation im Fortlauf der Handlung
Im hinteren Fünftel gibt es deutlich häufigerer Wechsel der Erzählpersektiven bzw. der Handlungsstränge und es werden auf weniger Seiten größere Zeiträume abgedeckt. Ganz am Ende des Buches kommen schliesslich sehr komprimiert viele lose Fäden zusammen. In diesem Kontext klären sich einige Geschehnisse und Handlungen, die sich über den Verlauf der Geschichte ergeben haben (und teilweise schon fast wieder in Vergessenheit geraten sind).
FAZIT: Das Lesen macht wieder sehr viel Spaß. Detailreiche, sehr plastische Szenen werden mit einer gehörigen Portion historischem Hintergrundwissen ausgemalt. Zusätzlich ist gerade Bonanza sehr spannend und unterhaltsam geschrieben. Das Ende ist ein echter Cliffhanger, der die Zeit bis zur Veröffentlichung des nächsten Bandes viel zu lange erscheinen läßt. Volle Punktzahl !
Einige Rezensoren (sowohl im Internet als auch in der Presse) hatten "Quicksilver" - nicht völlig ohne Grund - eine gewisse Weitschweifigkeit vorgeworfen.
"The confusion" geht diese glücklicherweise ab:
So tritt Daniel Waterhouse, der englische Philosoph, Physiker und gescheiterte Puritaner etwas in den Hintergrund (hat aber als die Person, welche Isaac Newton in dessen großer Lebenkrise Halt gibt und ihn anhält, die Anstellung eines Aufsehers der britischen Münze anzunehmen, doch noch einmal eine Schlüsselrolle inne).
Auch Eliza, welche weiterhin am Hofe des Sonnenkönigs reüssiert und dabei natürlich immer wieder in Lebensgefahr gerät, nimmt nicht die zentrale Position ein.
Diese gehört nämlich dem Söldner und Abenteurer Jack Shaftoe; Shaftoe war - wir erinnern uns - nicht nur Opfer einer allmählich sein Hirn angreifenden Syphilis geworden, sondern auch noch algerischen Korsaren in die Hände gefallen.
Nachdem ein längeres hohes Fieber die Syphiliserreger in seinem Körper abgetötet und ihn so vor der Demenz bewahrt hat, entwickeln er und einige seiner Leidensgefährten (darunter ein Jesuitenpadre aus japanischem Hochadel, der vor seiner Ordination natürlich noch den Umgang mit dem Katana erlernt und ein spanischer Grande mit einem Tourette - Syndrom, das ihm das Leben bei Hofe nicht wirklich vereinfacht hatte...)den Plan, mit Unterstützung ihrer Eigentümer einen aus Mexiko zurückkehrenden spanischen Vizegouverneur kurz vor dem sicheren Hafen von Cadiz zu überfallen, um sich mit ihrem Anteil an der Beute freizukaufen.
Als sich diese Beute aber als weit größer als erwartet entpuppt, beginnt eine gnadenlose Jagd, die Shaftoe und seine Haudegen einmal um den Globus führt und ihnen einen ganzen Haufen neuer, exotischer und hartnäckiger Feinde (unter anderem eine mahrattische Königin, das Bakufu des Tokugawa-Shogunats, die spanische Inquisition in Mexiko, die Warenterminbörse von Lyon und zuletzt Ludwig der XIV. persönlich) einbringt, während ihre weiteren Abenteuer immer wieder zu kleineren Beben in der europäischen Wirtschaftsordnung führen...
Witziger und pikaresker als Stephenson es tut, könnte man die europäische Geschichte des ausgehenden 17. Jahrhunderts und die Vorboten der Aufklärung nicht darstellen, die Charakter sind herrlich exzentrisch, die Recherche makellos. Stephensons spöttische, sowohl im Dialog als auch in der Erzählung teils bewußt altertümelnde, teils für witzige Anachronismen sorgende Sprache tut ein übriges zum Lesevergnügen.
Ach ja, und eines noch: Das Buch endet mit dem übelsten Cliffhanger, der mir untergekommen ist, seit ich als kleiner Junge "The empire strikes back" im Kino gesehen habe...
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