Inhaltlich stellt die Rauser-Monografie von Osnos/Wells den Theoriestand des Richter-Rauser-Komplexes, einschliesslich der Untervarianten (wie 6.-Ld7, was insbesondere von GM Drejew viel gespielt wird) übersichtlich dar und erweitert diesen mit Analysen und Empfehlungen. Die Darstellung bleibt dabei betont objektiv und vermittelt einen guten Eindruck von der anspruchsvollen Aufgabe, "klassisches" Sizilianisch zu spielen.
Wegen des Alters des Buches (1998) fehlt im Komplex mit 8.-h6 jedoch die moderne und kritische Variante 9.Sxc6-bxc6 10.Lf4-d5 11.De3. Diese Zugfolge ist beängstigend stark und hat (auf hohem Niveau) zum Verschwinden des gesamten -h6-Komplexes geführt, der u.a. von Kramnik, Shirov und Iwantschuk mit Erfolg entwickelt und angewandt wurde. Allerdings ist er alleine aufgrund von möglichen Zugumstellungen (8.-Ld7 9.f3-h6) bestimmt nicht überflüssig und lässt sich mit 11.-Le7 oder 11.-Da5 vielleicht reparieren- aber momentan (Apr 2010) gilt deshalb der Zug 8.-h6 zumindest ohne eigene Analysen als gefährlich für Schwarz. Die Darstellung von Alternativen wie z.B. 7.-Le7 ist jedoch erstklassig und m.E. nach aktuell.
Als Mangel betrachte ich das Fehlen von (diagrammgestützten)Zusammenfassungen taktischer Nuancen, die für einen kompakten Zugang zu Stellungszusammenhängen nützlich sind und die man sich selbst aus den Untervarianten erarbeiten muss. Das führt in der praktischen Arbeit nicht zuletzt dazu, dass man oft zwischen den Kapiteln mühsam hin- und herblättert.
Insgesamt scheint das Buch für "Sizilianisch"-Einsteiger verhältnismässig weniger geeignet, bietet aber viel Stoff für engagierte Turnierspieler. Zum Einstieg in den "Rauser" möglicherweise besser geeignet ist der kompaktere und aktuellere "Easy Guide" von Yrölä zum gleichen Thema.