Was Rhytmus und Geschwindigkeit anbelangt, ist dies ein Streifen der älteren Schule. Das gefällt mir generell schon mal ausserordentlich. Wer Zeit und Geduld mitbringt, wird in eine recht gut inszenierte und ausgetüftelte Welt eingeführt: ein Bunker mit ca. 6 Menschen, die das Gebiet nicht verlassen dürfen, weil draussen Gefahr lauert. Wir erfahren, wie der Alltag nach satten 8 Jahren Isolation so abgeht, dass es in dem Gebiet eine 'verbotene Zone' gibt.
Ein ziemlich lahmer Alltag, wie man sich vorstellen kann. Die Hoffnungslosigkeit und periodische Depression kommt recht gut rüber. Ein kleiner Bub und ein Mädchen sorgen für ein wenig naive Leichtigkeit und Teenager-Gehabe in der trauerigen Gemeinschaft; sie werden von den Erwachsenen geschult, doch die Hintergründe der "Katastrophe" werden von allen verschleiert.
Am Besten weiss man so wenig wie möglich, denn ein Teil der Spannung bezieht sich auf das WIE und WARUM der Bedrohung. Die Dosierung und Auflösung dieses Anteils erinnerte mich stark an die Filme vom "6th Sense"-Macher. Um das Ende zu kapieren, muss man den Erklärungen zwischendurch gut zuhören. Die letzte Einstellung allein war es für mich wert, den Film zu schauen. Leider werden tatsächlich einige fundamentale Fragen offen gelassen, oder ich hab eben nicht gut genug zugehört.
Ist der Film gut? Ich finde ja (3 1/2 Sterne), und bin auch nicht sonderlich enttäuscht, dass die Action-Szenen nicht so zu überzeugen vermögen. Die kommen übrigens rüber wie das Intro des ersten RESIDENT EVIL Spieles, da veranstalten eher waffen-ungeübt wirkende Frauen und Männer ein Massaker unter den Infizierten, das Blut spritzt literweise, der eine oder andere wird angesteckt - und all dies recht chaotisch, das Gegenteil von John Woo, wo jeder Schuss verfolgt wird, wo ein wirres Schussgefecht dank Zeitlupe minutenlang mitverfolgt werden kann. Mich dünkt, und vielleicht ist das zu nett von mir, dass es bei COLD HOUR nicht auf die Action drauf ankommt, der Film ist eher ein Mystery-SciFi mit 80ies-Flair. Es gibt (leider) keine spannenden Zombi-Momente, man ist eher in Sorge, dass bei einer der "Räumungsaktionen" jemand zu schaden kommen könnte. Bange Gruselmomente gibt's aber schon, die beziehen sich auf den Titel des Filmes: die kalte Stunde.
Kann den Film nicht mit THE THING, DAWN OF THE DEAD oder ähnlichen vergleichen, doch wer deren Langsamigkeit gemocht hat, wird THE COLD HOUR am ehesten was abgewinnen können.