Ich bin stark beigeistert von diesem Buch. Ein absolutes Muß" für jeden, der sich aktiv an der Klimadiskussion beteiligen will. In knapper und gut verständlicher Form wird hier das Wissen des 4. IPCC Berichts (AR4) zusammengefaßt und durch Ergebnisse der Folgejahre ergänzt. Dankenswerterweise beschreiben die Autoren die einzelnen Themen mit (fast) all ihren Graustufen. Der Rote Faden ist zwar die allgemeine IPCC-Interpretationsweise, jedoch werden in diesem Buch auch die Schwachstellen relativ offen diskutiert. Wenn die Datenlage eine klare Interpretation nicht erlaubt, dann wird dies klar gesagt. Ein Qualitäts-Gradmesser von wissenschaftlichen Büchern ist für mich persönlich auch die Menge von Unterstreichungen, die ich während des Lesens vornehme. Eine kleine Marotte von mir. In der ersten Hälfte des Buches habe ich sicher ein Drittel des bisherigen Textes unterstrichen. In diesem Buch wird auf kleinstem Raum eine Vielzahl von klimatischen Zusammenhängen aufgezeigt, die man anderswo nicht bis kaum beschrieben sieht.
Aber es gibt auch einige Kritikpunkte:
1) Auf Seite 4 wird die Einschätzung des AR4 dargestellt, dass CO2 seit 1950 für das Global Warming zuständig ist. An dieser Stelle wäre die Erwähnung abweichender Einschätzungen sicher angebracht, um die ganze Bandbreite der Klimadiskussion abzubilden. Insbesondere scheint dieser Startpunkt ungünstig gewählt zu sein, da die Erwärmung zwischen 1950-1975 pausierte. Gegen Ende dieser Phase warnten die Experten vor einer drohenden neuen Eiszeit.
2) Auf Seite 6 wird der Anstieg des CO2 in den Zwischeneiszeiten erwähnt. Ich finde es grob irreführend, wenn an dieser Stelle nicht der zeitliche Verzug zwischen den beiden Größen genannt wird, der die Temperatur als Auslöser für eine ozeanische CO2-Ausgasung herausstellt (Henne/Ei). Dies wird zum Glück auf den Seiten 112ff nachgeholt.
3) Auf Seite 8 wäre die Nennung anderer Modelle nützlich, in denen der Wasserdampf/Wolken Feeedback und die CO2-Klimasensitivität sehr viel geringer eingeschätzt wird (z.B. Lindzen mit 0,5 Grad C pro CO2-Verdopplung).
4) Auf S. 14 sowie 34-36 wird eine Entkopplung zwischen Sonnenaktivität und Temperaturentwicklung seit den 1970ern postuliert. Svensmark & Friss-Christensen (2007) konnten hier jedoch nach Herausfilterung von El Nino, Vulkanausbrüchen und NAO eine gute Korrelation der Troposphären- und Ozean-Temperaturen mit der Sonnenaktivität zeigen. Die Sonnenaktivität blieb während dieser Zeit auf einem hohen Niveau, und gerade hat sogar Phil Jones das Fehlen eines statistisch relevanten Temperaturanstiegs für die letzten 15 Jahre erklärt. Man sollte daher mit der Sonne nicht so hart ins Gericht gehen, zumal CO2 und Temperaturen von 1950-1975 alles andere als eine ideale Korrelation zeigten. Etwas später wird von Modellierungsergebnissen geredet. Prinzipiell: Wenn man keinen Feedback-Mechanismus in die Modelle einbaut, kann auch keine signifikante solare Steuerungskomponente herauskommen (dies gilt auch für die Abbildung 3.18/Temperaturmodellierung mit und ohne CO2, die damit an Aussagekraft verliert). Das Vorhandensein eines positiven Feedback-Mechanismus sensu Svensmark ist jedoch sehr wahrscheinlich, ist doch die solare Steuerung des Klimas der letzten paar 1000 Jahre mittlerweile deutlich erkennbar (so steht es sogar im Buch auf S. 38 sowie 43 !!). Warum wird die Forschung von Svensmark im Solar-Abschnitt S. 34-36 ignoriert? Ich habe die Hauptpunkte hierzu mal zusamengetragen:
5) Auf Seite 41 wird die Einmaligkeit der der aktuellen Temperaturerhöhungsrate postuliert. Man sollte von dieser Argumentation allmählich abkommen. Ähnliche Temperatursteigerungsraten hat es wohl auch vor der Römischen und Mittelalterlichen Wärmephase gegeben, sowie ab 1860 und 1910 (hier fehlen übrigens zwei gelbe Striche in Abbildung 3.1).
6) Auf S. 43 wird behauptet, die Sonnenaktivität wäre konstant während der Abkühlunsgphase in den 1940ern bis 1970ern geblieben. Wenn man sich die total irradiance" Kurven in der Literatur anguckt (z.B. Hoyt & Schatten 1997, Soon 2005 etc.) dann sieht man, dass die Sonnenstrahlung sehr gut mit dem Temperaturverlauf korreliert. Kann dies Zufall sein?
7) Auf Seite 96 wird die Einmaligkeit des aktuellen Meeresspiegelanstiegs dargelegt. Gerade weil wir für vorangegangene Wärmeperioden keine guten Daten haben (z.B. Mittelalterliche Wärmeperiode), sollte man mit derartigen Aussagen lieber vorsichtiger sein.
8) Ganz am Ende des Ozean-Versauerungskapitels wird kurz erwähnt, dass es in der Erdgeschichte schon sehr viel höhere CO2-Gehalte gegeben hat. Dies gilt insbesondere für das Mesozoikum, das sich geologisch durch eine Dominanz von Flachwasserkarbonaten mit üppigen Korallenriffen auszeichnet. Offensichtlich hat der saure Ozean den kalkbbildenden Organismen nichts anhaben können. Der Erklärungsversuch durch ominöse Pufferung erscheint hier eher hilflos. Auch hier gelten natürlich chemische Gleichgewichtsregeln, die nicht achtlos über Bord geschmissen werden sollten, auch wenn es zunächst unbequem erscheint.
9) Das Kapitel "Our current interglacial period" leidet leider sehr unter der Verharmlosung der Römischen und Mittelalterlichen Wärmephasen sowie der entsprechenden Kältephasen. Hier wirkt augenscheinlich noch immer die Hockeystick-Kurve nach, von der wir uns meiner Meinung nach langsam lösen sollten. Dies ist insbesondere bedenklich, da auf S. 38 konzidiert wird, dass Sonnenaktivitätsschwankungen eine wichtige Rolle bei genau diesen spätholozänen Klimaschwankungen spielen. Dankenswerterweise wird jedoch auch der Svensmark-Effekt erläutert, ein noch in der Erforschung befindlicher solarer Vorverstärkungsmechanismus. Es hätte an dieser Stelle gerne erwähnt werden können, dass es Diagramme gibt, in denen die niedrige Wolkenbedeckung und die kosmische Strahlung gut korrelieren. Unter Berücksichtigung des Svensmark-Wolkeneffektes ist dann auch die unterschiedliche Temperaturentwicklung von Troposphäre und Stratosphäre erklärlich.
Der zweite Teil des Buches faßt Ergebnisse der 2. & 3. IPCC Arbeitsgruppe zusammen, die auf den Schlußfolgerungen aus Teil 1 basieren.