In den guten alten Zeiten des Punk gab es reihenweise gute Debütalben. "Never Mind The Bollocks" der Sex Pistols beispielsweise oder "Pure Mania" von den Vibrators, aber keins davon blieb so dauerhaft bei mir hängen wie das Debüt von The Clash.
The Clash setzten sich zusammen aus Joe Strummer, Mick Jones und Paul Simonon. Strummer spielte bei den 101ers Rhythm N Blues, bis er eines Abends die Sex Pistols sah und sofort wusste, dass das die Art von Musik war, die er machen wollte. Mit Jones und Simonon fand er zwei Gleichgesinnte. Auf "The Clash" spielte Terry "Tory Crimes" Chimes die Drums, verließ danach die Band wieder und wurde durch Topper Headon ersetzt. Sie machten einen Deal mit CBS über acht Alben, den man nur als lausig bezeichnen konnte. Das sollte sich später bemerkbar machen.
Aber erst einmal waren sie, zumindest Joe Strummer, Outcasts aus Leidenschaft. Joe und Mick wurden die musikalischen Aushängefiguren, während Paul wegen seines Aussehens die Coolness der Band wiederspiegelte, obwohl er ein eher mäßiger Bassist war. Nichtsdestotrotz produzierten sie massenweise gute Songs.
Von dem Opener "Janie Jones" wird man förmlich überrollt, ebenso wie von "I'm So Bored With The USA" oder "White Riot", das selbst für englische Ohren so klang, als sänge Joe Strummer: "Wa Wa. I Wanna Wa" Der Song hat ihnen den Vorwurf eingebracht, sie wären rassistisch. Tatsächlich war der Song eher naiv in dem Glauben, nur Schwarze würden auf die Barrikaden gehen, was sich Weiße nicht trauten. Das sollte nicht das letzte Mal im politischen Weltbild der Clash so sein. Mir hat ihre Haltung aber immer besser gefallen, als die der nihilistischen Sex Pistols. Naiv halt, aber immer voller Überzeugung und Inbrunst. Die Clash waren die Gutmenschen des Punk.
Anders als die Pistols sagten sie eher "Stand Up" als "Fuck Off". Sie ließen sich auch nicht zu endlosen abfälligen Bemerkungen zu den sogenannten "Boring Old Farts" herab, obwohl "1977", die Rückseite von "White Riot" scheinbar etwas anders ausdrückte, als sie sangen: "No Elvis, Beatles Or The Rolling Stones In 1977". Sie hatten ja recht! Elvis war tot, die Beatles schon lange aufgelöst und die Stones veröffentlichten 1977 nur eine mäßige Liveplatte, die nach (!) "1977" erschien.
"The Clash" bot mit "Londons Burning", "Protex Blue", "Career Opportunities" und "Garageland" noch weitere Highlights. Das Sahnehäubchen war ihre Version von Murvin Juniors "Police & Thieves", ein Reggae, mit dem sich damals schon andeuteten, dass sie mehr beherrschen als die berühmten drei Akkorde, was sie innerhalb kürzester Zeit mit ihrem Meisterwerk "London Calling" nachdrücklich belegten.