Als Domain-Neueinsteiger und vielseitig interessierter Metalfan
habe ich durch meinen Kauf ein gelungenes Werk in den Händen,
dass mir jeden Morgen auf meinen 54 Autobahnkilometern
den positiven "Tritt in den Tag" verpasst. Denn das inhaltliche
Konzept des neuen Domain-Album hat bei mir wie Ihr hier gerade
lesen könnt, noch keinen Suizid-Gedanken ausgelöst.
Auch wenn deutsche Autobahn-Geschichten manchmal als
würdiger Nachfolger der Goethe-Briefromane
in die nähere Auswahl kommen würden.
Es verhält sich mit den "Chronicles..."eher so:
Das Album macht Spass, es motiviert immer wieder genau hinzuhören.
Es erwarten Euch neben abwechslungsreich arrangierten Songs, einprägsamen Hooklines und einer 1A-Rhytmussektion,
ein intensives Riffspektakel und Double-Bass-Gewitter
im amtlichen Soundgewand. Das alleine lässt Metalfans im allgemeinen
bereits entspannt und tief zufrieden ausatmen.
Wer seinem Gehör obendrein noch zutraut, diese Grundzutaten mit anspruchsvollen Metal-Soli, intelligent eingesetzen Keyboard-Sounds
und last but not least einem exzellenten Sänger (+ Choreinlagen) zu vermengen, findet in diesem melodic-/power-betonten,
manchmal auch progressiv-symphonischen Album
einen First-Class-Metal-Event.
Gitarrist Axel "Ironfinger" Ritt trägt seinen "Mittelnamen"
vermutlich nicht aus Jux & Dollerei:
Atemberaubendes Solo-Tempo, klassische Zitate
(Vivaldi glaube ich), Highspeed-Arpeggio-Lines, interessante Skalen,
Harmonics und Chordvoicings > alles drin.
Das gilt auch für die Bandbreite der Arrangements.
Man merkt dem Album die musikalische Umsetzung
der Literaturvorlage nicht nur irgendwie an.
Nein, je näher man dem letzten Song kommt
(nicht der Bonus-Track), desto intensiver,
offener oder emotional dedizierter werden die Songs.
Der Höhepunkt des Spannungsbogen ist für mich
der 9.Song "The last Dance". Hier werden noch einmal
alle Register gezogen. In diesem Stück hört ihr den
besten progressiven Teil, als auch das aus meiner Sicht
beste Arrangement der Scheibe.
Auf dem nächsten Album bitte noch mehr davon !
Der Abschluss ist eine wunderschöne Ballade, in der Mr.Ruhnow
mit seiner charismatischen und klaren Stimme die emotionalen Wogen
wieder etwas glättet. Er ist kein rauchiger Rocker oder
Metalbrüller. Dieser Sänger ist ein intensiver,
kraftvoller Könner & Newcomer. Egal ob tief oder hoch gesungen,
es klingt, passt und es schwingt was eigenes mit.
Es variiert mal der Refrain oder die Strophe,
und die melodisch ausgefeilten Gesanglinien verweilen
auch nach dem Schlussakkord noch längere Zeit danach im Gehörgang.
Eine tolle Gesangleistung, eingebettet in ein Songwriting mit Niveau.
Kritikpunkte *ohne Punktabzug*: An einigen wenigen Stellen ist der Gebrauch der Double-Bass etwas zu inflationär. Der Gesamtsound wird
gerade dann etwas erschlagen, wenn nach meinem Geschmack etwas mehr Offenheit oder ein rhytmisch abwechslungsreicheres Drumming eleganter gewesen wäre. Achja, auf den einmaligen Einsatz des 80er-Europe-Style-Bläsersynthi hätte ich anno 2009 eher verzichtet.
Ich möchte aber mit weiterem Lob schliessen:
Der Bonustrack ist trotz des Shyntisound zu Beginn ein toller Song geworden.Das Value-4-Money-Verhältnis der neuen Domainscheibe passt.
Die soundtechnische Produktion hat es in sich.
Klingt sehr direkt und entwickelt richtig guten Druck.
Wer tatsächlich Die Songtexte lesen sollte, wird die Domain-Interpretation des Goethe-Klassikers sicher gefallen.
Und lest mal wieder das Original...das dauert nicht lange.
Und danach hört das Album an...das macht Sinn.
Bleibt mir jetzt nur noch, dem interessierten Metalfan
die Homepage der Band ans Herz zu legen und die
klare Kaufempfehlung auszusprechen.
Ich freue mich darauf diese Band live zu sehen !
Bis dahin werde ich mir weiterhin mit den Chronicles
meinen persönlichen, morgendlichen Kick geben.