Nachdem sich N.W.A getrennt hatten, verließen alle Ex-Mitglieder, bis auf MC Ren, Eazy-E's Ruthless Records. Dr. Dre gründete zusammen mit Suge Knight Death Row Records, was sich Anfang der Neunziger zu einem der besten Rap-Labels aller Zeiten entwickelte. Unter Vertrag nahmen die beiden so ziemlich alle Homies von Dre. Darunter befinden sich einige Hochkaräter um u.a. Snoop Doggy Dogg, Kurupt, Dat Nigga Daz, The Lady Of Rage, Nate Dogg, The D.O.C., RBX und später auch noch weitere. Was Dr. Dre uns mit "The Chronic" abgeliefert hat, ist nicht einfach nur ein Rap-Album, es ist ein Meilenstein, der die damalige Musikszene der amerikanischen Westküste weitgehend prägte. Man hat an "Zaggin4efil" von N.W.A ja schon gemerkt, dass es bei Dre's Produktionen in die chilligere Richtung geht, "The Chronic" perfektioniert die eingeschlagene Richtung. Triefend vor Funk geht es mit "Fuck Wit Dre Day (And Everybody's Celebratin')" genial los. Das Instrumental ist der pure Wahnsinn! Melodisch, rhytmisch, layed back und sehr eingängig. Darüber kicken Dre und Snoop, der damals Rap technisch auf dem Höhepunkt seiner Karriere war, ihre Disses in Richtung Eazy-E und Tim Dog. Noch eine Spur entspannter ist "Let Me Ride", einem Song, der einen förmlich spüren lässt, wie es ist, im Sommer mit einem Lowrider durch Los Angeles zu cruisen. Neben dem Doktor sind hier auch RBX, Snoop Doggy Dogg und Jewell zu hören, die ihren Job perfekt erledigen. "Nuthin' But A "G" Thang" geht in die selbe Richtung und ist ebenfalls ein grandioser West Coast Klassiker. Etwas schneller, dennoch wieder sehr chillig ist "Deeez Nuuuts", bekommt aber durch die dynamischen Verse von Dre, Snoop, Daz und Nate Dogg's Gesang eine gewisse Power. Bei "Lil Ghetto Boy" setzte Dr. Dre Wert auf für ihn eher ungewöhnliche Flöten-Samples im Hintergrund des Funk-Beats. Er und sein Protegé Snoop Doggy Dogg nutzen dies ein weiteres Mal, um mit ihren lässigen Rhymes dem Hörer das harte Leben auf den Straßen L.A.'s nahe zu bringen. Wer es etwas härter mag, ist bei "A Nigga Witta Gun" an der richtigen Adresse. Der treibende und eher düstere Beat erinnert etwas an die N.W.A-Zeit und ist eine echte Bombe, dazu passen die Rhymes von Dre, Snoop und The D.O.C., der mir hier am Besten gefällt, wie die Faust aufs Auge. Mehr auf Party und Fun ist "Rat-Tat-Tat-Tat" ausgelegt. Föhliches und harmonisches Uptempo-Instrumental und mit Dre, D.O.C. und Snoop drei Rapper in absoluter Bestform. Schlicht und mit einfachem Rhythmus ist "Lyrical Gangbang" ausgestattet, eignet sich also perfekt zum Rappen. Besonders The Lady Of Rage geht hier verdammt gut ab, aber auch Kurupt, RBX, The D.O.C. überzeugen mit Hammer Verses. Ähnlich sind "High Powered" mit Dat Nigga Daz, The Lady Of Rage und RBX und "Stranded On Death Row" mit The Lady Of Rage, RBX, Bushwick Bill, Kurupt und Snoop Doggy Dogg, die den harten Gangsta Funk aus L.A. perfekt repräsentieren. Einen tollen Ausklang erhält "The Chronic" mit "Bitches Ain't Shit". Dieser Song ist wieder von der eher chilligen Sorte, leicht düster und mit Dre's typischen G-Funk Sounds ausgestattet. Es wird mal wieder gedisst, was das Zeug hält und natürlich trifft es Eazy-E. Neben Dr. Dre bieten uns hier Dat Nigga Daz, Kurupt, Snoop Doggy Dogg, Jewell und The Lady Of Rage eine Darstellung ihres Könnens.
"The Chronic" ist nicht nur der Start der G-Funk Ära, es ist ein zeitloser Klassiker und ohne Zweifel eine der größten Rap-Platten aller Zeiten. Jeder, der auf West Coast-Hip Hop steht, muss dieses Album im Regal haben, aber auch alle anderen Rap-Fans sollten zumindest einmal reinhören.