A. S. Byatt hat mit diesem Buch eine unglaubliche Familienchronik geschaffen. Natürlich gibt es die üblichen Strukturen: Kinder werden geboren, Kinder werden zu Jugendlichen, alte Menschen sterben. Strukturen, die mit einer Vielzahl von fröhlichen und traurigen Ereignissen verknüpft werden. Aber dieses Buch ist nicht nur eine Familienchronik/Saga. A.S. Byatt hatte es sich zur Aufgabe gemacht, die Ereignisse um die Jahrhundertwende möglichst detailgetreu abzubilden. Deshalb könnte man dieses Buch auch als historischen Roman bezeichnen. Es ist beeindruckend, wie Byatt es geschafft hat, reale Personen und Ereignisse so mit Fiktion zu verknüpfen, dass sich die Grenze zwischen Realität und Fiktion auflöst. So tauchen unter anderem Oscar Wilde, Rupert Brooke und George Bernard Shaw in persona auf und mischen sich unter die fiktiven Charaktere. Trotz der vielen Charaktere, Schauplätze und Ereignisse verliert Byatt aber nicht den Überblick in der Darstellung. Durch die wechselnde Erzählperspektive erfährt der Leser auch die Gedanken und Gefühle von den meisten Hauptcharakteren.
Allerdings muss ich eingestehen, dass Byatt es auch manchmal übertreibt, wenn es um die detailgetreue Darstellung von Personen und Ereignissen geht. Die beschreibenden Passagen haben klar überhand in diesem Buch und wer diese Art Schreibe nicht gewohnt ist, der wird wohl keine Freude an diesem Buch haben. Die Spannung hält sich streckenweise auch sehr in Grenzen. Ab Seite 150 wurde es dann etwas interessanter und wirklich gefesselt hat es mich nur auf den letzten 100 Seiten.
Und trotzdem will ich es nicht missen, dieses Buch gelesen zu haben. Ich habe sehr großen Respekt für die Autorin, wie sie es geschafft hat, ein so komplexes Buch zu schreiben, das gleichermaßen so balanciert ist. Und das Gute ist: Hier bekommt man noch richtig was für sein Geld, denn dies ist definitiv ein Buch, welches man mehrfach lesen kann...