Eine Sizzla-Rezension beginnt ja klassischerweise mit der Feststellung, dass es nur entweder total gute oder total schlechte Sizzla-Alben gibt, dass keines seiner aktuellen Alben an seinen Klassiker "Da Real Thing" herankommt und sowieso früher alles besser war, bevor das Rad erfunden wurde. Bla Bla Bla.
Da nun also die üblichen Sizzla-Phrasen wiederholt wurden, werde ich die alten Geschichten beiseite lassen und ich mich stattdessen voll und ganz auf sein neues Werk konzentrieren, denn das hat es wirklich in sich.
Nach seinem Verkehrsunfall im August letzten Jahres und unter den Eindrücken seiner Afrika-Tour hat Sizzla beschlossen, sich wieder ausschließlich auf positive Inhalte zu konzentrieren, die er im klassischen Modern-Roots-Style streut, der ihn bekannt gemacht hat. Passend zu dieser Rückbesinnung hat sich Sizzla auf diesem Album wieder mit dem Produzenten 'Dr. Cave' Moore zusammengetan, der ihm vor über zehn Jahren zum Durchbruch verholfen hat.
Und um es mal gleich klarzustellen: Ja, das Album ist richtig, RICHTIG gut.
Schon der Opener "Chanting Rastaman" geht sofort in die Beine und stellt klar, in welche Richtung das Album geht. Vor allem der geniale Riddim weiß zu überzeugen. Spätestens in den sanften Strophen von "Jah made it possible" setzt dann das wohlige Sizzla-Gefühl ein, man lehnt sich zurück, genießt.
Das Feature mit dem Kwaito-Künstler Jah Seed aus Zimbabwe ist fast noch besser gelungen, auch wenn man sich wie sooft an Sizzlas übertriebenen Einsatz der Kopfstimme in den Strophen erst gewöhnen muss. Das ist auch bei "Put Away The Weapons" so, was die beiden Tunes aber kein Stück schlechter macht.
Es folgen die großartigen Hymnen "Zimbabwe" und "Hungry Children", zu denen es wohl nicht mehr viel hinzuzufügen gibt (Anspieltipps!).
Auch "System Crash" auf Bob Marleys altem Rat Race Riddim ist wahnsinnig gut. "Look What's Happening" und "Smoke Marijuana" sind als einzige Dancehall-Tunes auf dem Album zunächst gewöhnungsbedürftig, funktionieren aber nach mehrmaligem Hören umso besser. Anschließend haut Sizzla drei weitere wirklich gute Roots-Nummern raus, um dann mit "Chant" zu enden, das ein wenig an "There's No Pain" erinnert. Auf klassischen Nyambinghi-Drums chantet Sizzla diese unglaubliche Hymne, die meiner Meinung nach den absoluten Höhepunkt des Albums darstellt.
Seit dem ersten Durchhören läuft die CD bei mir auf Dauerschleife, was nur wirklich wenige Alben schaffen. Auch wenn Sizzlas Bedeutung für die Weiterentwicklung der Reggaeszene längst den I-Octanes, Protojes und Busys weichen musste, handelt es sich bei "The Chant" doch um eines der besten aktuellen Reggaealben - Kaufen! Anhören! Abfeiern!
"Bring it, I'll sing it, Jah love is within it, every hour, every second, they want Jah love every minute..."