Es gibt Dinge, die sind gleichermaßen erschreckend und unfreiwillig komisch. Dazu gehört beispielsweise The Cell². Oder die Tatsache, dass ein Machwerk wie dieses tatsächlich auf Blu-ray erscheint, während man auf die Veröffentlichung einiger wirklich großartiger Filme bislang vergeblich wartet.
Kurz gesagt: The Cell² ist der wohl dreisteste Kundenfang, der mir jemals untergekommen ist. Es ist mir schleierhaft, wie es diese Direct to Video-Produktion geschafft hat, sich als Fortsetzung des wirklich spannenden und innovativ inszenierten Horror-Thrillers The Cell verkaufen zu dürfen. Mit seiner düsteren, bizarren Ästethik war dieser Film ein wahrer Augenschmaus - auf einen solchen wartet man bei dem angeblichen Nachfolger leider vergeblich. Auf eine Handlung, glaubhafte Charaktere, Kreativität oder gar einen Funken Spannung leider auch.
Nach einem kurzen Rückblick auf den ersten Teil - ach, die guten, alten Zeiten! - blendet The Cell² auf seine neue Hauptfigur über, Polizeipsychologin Maya. Diese war Opfer des Serienkillers The Cusp, der Frauen auf mehr oder minder einfallsreiche Weise tötet, um sie dann wieder und wieder zum Leben zu erwecken - wobei er sich bei seinen Methoden von Hostel, SAW und co. hat inspirieren lassen, da für Anleihen aus dem ersten Teil das Budget wohl bedauerlicherweise nicht gereicht hat. Maya konnte ihm entkommen und soll nun mit Hilfe psychischer Fähigkeiten der Polizei helfen, den Mörder zur Strecke zu bringen - dumm nur, dass ihre Visionen so unbeschreiblich schlecht animiert und in Szene gesetzt sind, dass es einfach unmöglich ist, sie ernst zu nehmen. Jedes durchschnittliche zehn Jahre alte Musikvideo kann mit besseren Effekten aufwarten - und nein, das ist keine Übertreibung. Wer den Film bereits gesehen hat, weiß, dass dies noch sehr gelinde ausgedrückt ist.
Außer leidenden Blicken bringt Mayas Darstellerin auch in Punkto Schauspielfähigkeiten nicht allzu viel zustande, wobei man fairerweise sagen muss, dass die Rollen insgesamt nichts hergeben und die Charaktere durch die Bank weg vom Reißbrett stammende Klischees sind. Besonders hervorzuheben ist hier Berufsunsympath Skylar, dessen herausragende berufliche Kompetenz sich bereits ganz zu Anfang dadurch zeigt, dass er ohne Helm einem SWAT-Einsatz beiwohnt, um seine schicke Frisur zu präsentieren. Da wundert es einen kaum noch, dass eben dieser Herr später mit einer Gummi-Axt erschlagen wird. Die Tatsache, dass eine solche Szene, in der ganz offensichtlich zu sehen ist, dass die Axt sich am Rücken des armen Opfers umbiegt, im fertigen Schnitt gelassen wird, sagt viel über die Qualität des Filmes aus.
Alles in allem ist The Cell² einer der schlechtesten Filme, die ich jemals gesehen habe. Der vorhersehbare, langweilige "Plot", die unglaublich billige Machart, die schlechten Darsteller und Charaktere, ebenso wie die nervige Musik suchen wirklich ihresgleichen. Was aus diesem No-Budget-Streifen aber eine schlichte Frechheit macht, ist die Tatsache, dass mit dem Verkauf als The Cell-Nachfolger völlig falsche Erwartungen geweckt werden, um schnell noch ein paar DVDs zu verkaufen, bevor sich endgültig herumgesprochen hat, wie grauenhaft der Film wirklich ist. Mit The Cell hat das alles nicht das Geringste zu tun. Das Einzige, wozu The Cell² möglicherweise noch taugt, ist, ihn sich aus der Videothek auszuleihen (um Gottes Willen, bloß nicht kaufen!), um ihn bei einem Filme-Abend mit Freunden so richtig schön zu verreißen. Ansonsten sollte man sich das Geld auf jeden Fall sparen. Und wer entschieden hat, diesen Streifen auf Blu-ray zu veröffentlichen, der sollte gezwungen werden, sich ihn anzusehen. Das wäre sicherlich Strafe genug.