Im Film spielt Samuel L. Jackson (Pulp Fiction, Die Jury, Unbreakable, Jackie Brown, 187 - Eine tödliche Zahl, The 51ste State", Last Exit Reno, Against the Wall, The Long Kiss Goodnight, Rules,) einmal anders einen psychisch schwer erkrankten Klaviervirtuosen. Anders als John Nash (Beautiful Mind) suchte er nicht unbewußt einen wichtigeren Sinn für sein Dasein.
Die Auslöser für seine Erkrankung werden im Film nicht explizit aufgeführt, sondern wollen in der gezeigten Gesellschaftsordnung gesucht sein. Als Ursachen meint der Autor die berufliche Benachteiligung von Schwarzen ausgemacht zu haben.
Die normative Gewalt der allgemeinüblichen Vorstellungen, die die Wertegleichheit der Menschen aufhebt, bedeutet stets einen schweren Stress, besonders für einen schwarzen Abgänger von einer elitären Kunstakademie, der aber sich im System nicht zurrechtfindet.
Hinzu kommt sein eigenständiges Denkens, das aufgrund seines Ordnungs- und Ehrlichkeitsgefühls absoluten Charakter besitzt. Das standesbewusste Establishment der Weißen wird aber die glatte Konversation ohne Konfrontationen gewohnt sein und ihn wohl geschasst haben anstatt seine Qualitäten anzunehmen. Das alles mag in der schweren psychischen Erkrankung des äußerst sensiblen und hochintelligenten Unverstandenen gemündet haben. Er hatte dann seine schöne und reizende Frau und seine Tochter verlassen um als "Caveman" am Rande der Stadt zu leben. Seine Krankheit peinigt ihn mit schizophrenen Schüben verschiedener Natur. Er sieht sich von "Stuvyesant" verfolgt , der als personalifiziertes Symbol für seine Auflehnung gegen das gesellschaftliche System steht und im stadthöchsten Bauwerk wohnt, um von dort die Menschen unterzudrücken und auszubeuten. Andere Ausgeburten seiner Schizophrenie fügen sich auf sehr ansprechende Weise in den insgesamt ästhetischen Film ein, der keine Mileustudie darstellt. Die Ästhetik soll mehr den Geist, den inneren Anspruch der darin vorkommenden Charaktere ausdrücken - das aber von dem Hauptdarsteller ob der fehlenden Ethik als hohl und leer entlarvt wird.
Im Film selbst ist der Hauptdarsteller wegen seiner krankheitsbedingten Unglaubwürdigkeit bei der Aufklärung eines Mordes alleine auf sich gestellt. Er weiss, daß er nur Beweise finden kann, wenn er lernt, seine Krankheit in den Griff zu bekommen. Das ist schwerer als man denkt ...
Es ist spannender Krimi in gut inszenierten Mileumgebungen, der Bewußtseinswelten, die vielschichtigen Arten des Miteinanders aufzeigt und dem die Tragik von erkrankten Seelen und ihrem sozialen Umfeld innewohnt. Nur wenige Menschen erweisen sich als mündig im Umgang mit Mitmenschen, egal ob krank oder gesund. Samuel L. Jacksons Figur selbst entspricht nicht der, die man wie bei einer Mileustudie erwarten würde. Er ist kein stinkender, verkommener, unterernährter Wohnsitzloser, sondern wirkt durchaus tough und fit. Denn im Vordergrund steht seine Persönlichkeit, die mit der Schizophrenie klarkommen muss, und somit nichts mit dem körperlichen Zustand zu tun hat.
Note : Die 100 Filmminuten sind zu kurz, um den Film an "Beautiful Mind" zu messen. Vom Nachgeschmack her verdient der Film drei Sterne, wegen seiner Vielschichtigkeit, der Ästhetik und den interessanten, aber viel zu kurzen Musikstücken bekommt er von mir vier.
By the way, wem der Film zusagt und wer sich für Abweichungen der Psyche von der Norm interessiert, um darüber die Natur der Psyche selbst kennenzulernen, der mag auch in die Bücher von Verena Kast oder in das Buch "Mit Pfiffigkeit durchs Leben. Das tapfere Schneiderlein" von Lutz Müller schauen. Profis lesen Rudolf Klußmann.