Der US-Philosoph Tom Regan hat mit diesem Buch das philosophische Standardwerk der Tierrechtsbewegung geschaffen. Er hat in den Jahren 1980-81 auf 400 Seiten Argumente formuliert, Tiere in die Sphäre menschlicher Moral zu integrieren und ihnen Grundrechte zuzuschreiben. Diese Rechte haben die Tiere, weil sie (die Menschen eingeschlossen) einen inhärenten Wert besitzen, der unabhängig von den Interessen anderer (bzw. vom Nutzen für andere) und unter allen Individuen gleich ist. Dieser Wert gebietet eine respektvolle Behandlung aller Individuen.
Das Buch mag für den Leser, dem der professionelle philosophische Diskurs nicht vertraut ist, auf den ersten Blick eine mit wortreichen Spitzfindigkeiten überhäufte Plauderrunde geistiger Müßiggänger zu sein. In der Tat nehmen die ausschweifenden Argumentationsketten über Begriffe, Axiome, Thesen und Lehrsätze einen breiten Raum ein. Lange Sätze, komplexe Zusammenhänge und Fachbegriffe machen dieses Werk für den Laien nicht gerade leicht zu lesen. Aber gerade diese Klarheit der Begriffe, Präzision der Aussagen, Detailliertheit der Analysen, sind Voraussetzung dafür, verstanden zu werden, Missverständnisse zu vermeiden und den potentiellen Gegnern (deren es viele gibt) keine Blößen zu geben. Tom Regan beherrscht sein Handwerk virtuos. Professionalität und Ernsthaftigkeit, ja Nüchternheit kennzeichnen denn auch dieses Werk. Und das ist gut so. Die aufgestellten Thesen sind wohl überlegt und bestens fundiert, so dass die philosophische Elite nicht mehr an The Case vorbeikommt. Es lohnt sich, diese schwere Materie zu schultern bzw. sich da durchzubeißen. Ich habe das getan, nicht bereut und als Belohnung einige wichtige Argumentationshilfen bekommen.
Auf die grauenvolle Praxis der Tierausbeutung geht Tom Regan weniger ausführlich ein, da diese als bekannt vorausgesetzt wird. Peter Singer z.B. hat diesen alltäglichen Horror in seinem Werk Animal Liberation ja ausführlichst wiedergegeben. Dafür gibt es schon am Anfang eine umfassende Antwort des Autor auf die zahlreichen Einwände gegen seine Thesen, die seit der Erstausgabe aufgekommen sind. Und am Schluss beschreibt Tom Regan welche Konsequenzen seine Thesen auf die alltägliche Praxis des Tiermissbrauchs haben.
Mit diesem Buch ist der Tierrechtsgedanke aus dem Dunkel der Nichtbeachtung und dem Dunstkreis der Veralberung heraus gewachsen. Tiere haben Rechte, an der Akzeptanz dieser Behauptung misst sich die Ernsthaftigkeit und Professionalität der zeitgenössischen Moral-Philosophie.