Von seinen Neunziger-Werken konnte mich eigentlich nur noch "La sindrome di Stendhal/ The Stendhal Syndrome" in positive Aufregung versetzen, 2001 verhieß der wirklich zufriedenstellende "Sleepless/ Non ho sonno" dann noch mal Großes, aber seit Ende der 80er hat Argento, der einst einer der größten und extravagantesten Stilisten des europäischen Kinos war, leider zuviel Halbgares produziert.
"Style over substance" hat man Argento in Bezug auf seine optisch einst meisterhaft komponierten Werke oft unterstellt - und es war immer das optische Auftrumpfen, das Spiel mit den Farben, das Traum- und Alptraumhafte - und natürlich das fantasievolle, hundsgemeine Inszenieren von Gewalt und Tod, was Filme wie "Profondo rosso" oder "Horror Infernal/ Inferno" zu ihrem legendären Status verhalf - und weit weniger das Narrative.
Argento scheint dieser Kritik irgendwann entgegengetreten zu sein, indem er vom "Style" weitestgehend abließ. Es verschwand das Besondere, Hallo zum Mittelmaß, Argento steht jetzt auch für Filme wie "The Card Player", ein schwacher Abglanz von dem, was einst war...
Zur Reanimation ital. Horrorkinos (was macht eigentlich Michele Soavi?) taugt dieser, nicht misslungene, da zuweilen spannende, aber letzlich doch unspektakuläre, Giallo um ein Liebespaar und einen Serienkiller nun wirklich nicht. Wären da nicht einige Gewaltspitzen (auch hier gilt aber mittlerweile Zurückhaltung), könnte man auch eine routinierte Auftragsarbeit für das ital. Fernsehen vermuten.
Stefania Rocca und Liam Cunningham gehören, in ihrer Rolle als leidgepüfte Liebende, zum Hervorhebenswerten in diesem Film, der sich zu oft in Nebensächlichkeiten verrennt und visuell kaum mehr etwas von Argentos Genie erahnen lässt.
Letzlich zwar durchaus sehenswert, ist auch "The Card Player" wieder unter den Erwartungen geblieben. Will man Horrorkino, das sich was traut, muss man heuer nach Frankreich blicken.