Bis auf das Weihnachtsalbum besitze ich alle Alben von Mary-Chapin-Carpenter und wage deshalb die Behauptung, dass The Calling ihr bis dato bestes Werk ist. Nachdem sie in den späten 80er und frühen 90ern der Country-Szene zuzurechnen war, hat sie sich mit ihren Alben ab Mitte der 90er immer stärker zu einer großartigen Americana-Singer/Songwriterin entwickelt.
Man mag ihr vorwerfen, dass sich viele Songs dieser Zeit ähnlich anhören, der Wiedererkennungseffekt ist groß, was aber auch an ihrer unglaublich markanten Stimme liegen dürfte. Immer wieder schafft sie es, eingängige Melodien zu komponieren, die niemals nervraubend oder langweilig sind. Gepaart mit meist sehr intelligenten, häufig sozialkritischen Texten entstehen Songperlen, wie sie auf The Calling im Übermaß enthalten sind. Da gibt es etwas schnellere, rockigere Songs wie We're allright, It Must have happened oder das famose Your Life Story. Dazwischen immer wieder sensationelle Balladen wie das großartige Twilight, bei dem MCCs Stimme fast zerbrechlich wirkt und bei mir regelmäßig Gänsehaut verursacht. Höhepunkt für mich ist aber Houston, in dem die Hurrikane-Katastrophe Katrina thematisiert wird. Insgesamt enthält das Album keinen einzigen auch nur mittelmäßigen Song. Fans der Country-Mary-Chapin-Carpenter werden allerdings ein weiteres Mal enttäuscht sein, denn Mary Chapin-Carpenter mag vielleicht noch immer unter dem Genre Country geführt werden, ihre Songs haben aber mit dem Nashville-Mainstream Country nichts mehr am Hut.