Als eine Delegation der Grauen Wächter bei König Maric vorspricht ahnt dieser noch gar nicht, in welche Schwierigkeiten ihn seine Bereitschaft bringen wird, die Wächter nicht nur nach Kräften zu unterstützen, sondern sogar als Führer in den Ortan-Thaig zu begleiten. Denn in den Tiefen Wegen ist erst kürzlich ein Kommandant der Grauen Wächter verschwunden, der dem "Ruf" folgte. Doch anstatt zu sterben ist der Kommandant anscheinend in Gefangenschaft geraten. Nun soll ein eigenes Kommandounternehmen das Schicksal des Kommandanten klären, ist dieser doch im Besitz einer kritischen Information, nämlich des Aufenthaltsorts der Erzdämonen und damit des Schlüssels zu einer neuen Verderbnis...
Stand der erste Dragon Age-Roman THE STOLEN THRONE in der Kontinuität noch relativ weit vor Dragon Age I, so ist CALLING schon direkter mit dem Beginn der neuen Verderbnis verbunden und schlägt zugleich eine Brücke zu AWAKENING. Denn der große Antagonist ist diesmal kein geringerer als der sinistre Architekt, das Mastermind hinter der Evolution der dunklen Brut, nachdem die Grauen Wächter den Erzdämon vernichtet hatten. Auf Seiten der Protagonisten tritt nun zudem der junge Duncan in Erscheinung, der am Beginn von Dragon Age I selbst Kommandant der Grauen Wächter in Ferelden sein wird.
Spielten die Grauen Wächter in The Stolen Throne überhaupt keine Rolle, ist ihnen nun ein eigenes Buch gewidmet, in dem auch erfährt was "der Ruf" und damit das Schicksal aller Grauen Wächter ist. Wenn sich das Blut der Dunklen Brut in den Grauen Wächtern auszubreiten beginnt und sie selbst zu dem werden was sie bekämpfen, begeben sich in die Dunklen Wege, um dort wenigstens noch einige Krieger der Dunklen Brut mit in den Tod zu nehmen. In CALLING muss sich der vom Architekten gefangene Kommandant Bregan nun diesem Verfall und Wandel stellen, wodurch einem auch einige Details zur dunklen Brut und ihres Drängens nach einer Wiedererweckung der alten Götter offenbart werden.
Anders als der Vorgänger ist der zweite Dragon Age-Roman jedoch gleich einmal geradlinger geraten. Diesmal gibt es keine Zeitsprünge und Erzählsequenzen, die Geschichte läuft am Stück durch und ist damit frei von allzu großen Wendungen. Am Beispiel des gealterten König Marics wird auch deutlich dass David Gaider seine Charaktere durchaus weiterentwickelt hat. Der ältere Maric weiß seit dem Tod Rowans nicht mehr wirklich etwas mit seinem Leben anzufangen und willigt deshalb ein, die Grauen Wächter bei ihrer Expedition zu begleiten, anstatt Loghain an seiner Stelle zu entsenden. Sein alter Freund soll stattdessen im Falle des Falles den jungen Cailan zum künftigen Herrscher Fereldens erziehen. Auch seinen Mord an Katriel konnte der König bis heute nicht überwinden und wird durch die Elfen-Magierin Fiona schmerzhaft an diese erinnert.
Marics Bereitschaft die Grauen Wächter zu begleiten könnte jedoch nicht bloß wegen der von der Dunklen Brut ausgehenden Gefahr sein Todesurteil gewesen sein, denn auch die Anführerin der Grauen Wächter, Genevieve, hegt ein Geheimnis das den König und die Wächter in Lebensgefahr bringen könnte. Sollte ihre Mission zudem scheitern befiehlt sie dem jungen Duncan Maric zu töten, damit er nicht als unliebsamer Zeuge von der wahren Natur ihrer Mission zu berichten weiß. Duncan, von dem man aus Origins nur sehr wenig erfährt, außer dass er stets der ist der den Helden rekrutiert (egal ob Elf, Zwerg, Mensch, Magier, Krieger oder Schurken) und in Ferelden gut vernetzt ist, wird gewissermaßen zum heimlichen Helden des Buchs. Der Straßenjunge mit einem Hang zu Kleptomanie und Respektlosigkeit ist im übrigen nur deshalb ein Grauer Wächter geworden, weil es ihm gelungen ist einen solchen zu töten und das eigentlich als Todesurteil geltende Beitrittsritual überlebt hat.
Was die Handlung anbelangt, diese ist, wie erwähnt, deutlich geradliniger als noch in The Stolen Throne. Da man weiß wie das Schicksal von gleich drei der handlungstragenden Charaktere aussieht ahnt man sehr schnell wie die Expedition in den Tiefen Wegen enden wird. Doch das Überleben aller anderen ist nicht garantiert und man erfährt sehr viel über die Grauen Wächter und die Dunkle Brut, was besonders in Hinsicht auf die Ränkespiele des Architekten in Awakening von großer Bedeutung ist.
Fazit:
Als Prequel zum Addon Dragon Age: Awakening eindeutig empfehlenswert.