Diese Mischung zwischen Horror- und Kriegsfilm hat einen ähnlichen Effekt wie ein Sergio-Leone-Western: Es fühlt sich verdammt echt an. Noch in keinem anderen Film - schon gar nicht in irgendwelchen pseudo-tiefgründigen Hollywood-Produktionen - konnte ich mich so sehr in die Kriegssituation des Zweiten Weltkriegs hineinversetzen. Die Soldaten sind weder heldenhafte Kampfmaschinen, noch schleimige Nazis; von der "Hart wie Kruppstahl"-Ideologie ist nicht viel zu spüren und ebensowenig von den gängigen Kriegsklischees.
In "Der Bunker" stolpern einige zu Tode erschöpfte, teils verwundete deutsche Soldaten (gespielt von Briten, also bitte nicht mit den neueren deutschen Weltkriegs-Produktionen verwechseln!) in einen Bunker an der deutsch-belgischen Grenze, der nur noch von einem alten Reservisten und einem frischrekrutierten Flak-Helfer gehalten wird. Sie werden verfolgt von Amerikanern, die ihnen in einem Hinterhalt schwere Verluste zugefügt haben und bald den Stützpunkt im Niemandsland belagern. Vom Feind sieht man allerdings erst am Schluß etwas, vorher deuten nur Gewehrfeuer und Mundharmonikaspiel (-> Spiel mir das Lied vom Tod?) aus dem nächtlichen Wald darauf hin, daß da draußen wirklich jemand ist und die Deutschen sich die Verfolger nicht nur einbilden.
Man verfällt nämlich leicht auf den Gedanken, daß sie eigentlich nur mit den Nerven am Ende sind, denn im Verlauf des Films spielen Halluzinationen und Alpträume eine große Rolle. In dem Bunker ist es angeblich nicht geheuer, wie der Reservist bei einem abendlichen Kriegsrat erzählt - aber die Soldaten tun diese Geistergeschichten zunächst ab und bemühen sich, sich auf ihre aktuellen Aufgaben zu konzentrieren. Da sie allerdings psychisch schon ziemlich angeschlagen sind, weil sie zuvor gezwungen waren, Deserteure aus den eigenen Reihen zu exekutieren (-> Alptraumsequenzen!), reagieren sie mit sich steigernder Paranoia auf jedes verdächtige Geräusch. Schließlich kommen sie zu der Vermutung, daß die Amerikaner die Tunnel, die vom Bunker aus zu einem versteckten Ausgang führen, infiltriert haben und steigen hinab in die Finsternis. In dem tatsächlich sehr unheimlichen Labyrinth von Gängen und nutzlosen Waffenkammern verlieren dann einige von ihnen endgültig den Verstand und es kommt zum Gemetzel.
"Der Bunker" arbeitet ausschließlich mit Charakterköpfen. Da aber alle Uniform tragen und die Dialoge sehr authentisch gehalten sind (d.h. die Männer sprechen sich nicht in jedem zweiten Satz mit Namen an!), kann es etwas dauern, bis man als Zuschauer Namen und Gesichter zuordnen kann. Wie der einzelne tickt, prägt sich aber relativ schnell ein. Die Figuren werden absolut gleichwertig behandelt und verkommen nie zu hohlen Typisierungen - es gibt zwar "den überzeugten Nazi", "den erfahrenen Feldwebel" usw., aber die Schauspieler sind glücklicherweise so gut, daß man die Charaktere trotzdem als eigenständige Personen wahrnehmen kann. Sie bringen außerdem die Erschöpfung und Verzweiflung wochenlang durch die Botanik gehetzter Frontsoldaten, die Angst haben müssen, daß ihre eigenen Leute sie erschießen, wenn sie Zweifel zeigen, sehr gut zum Vorschein. Die Geschichte konzentriert sich auf einen klar definierten Zeitausschnitt, versucht nicht, große Politik zu machen und geht sehr konsequent vor. Kein Detail ist zuviel; man fühlt sich wirklich in den Bunker hineinversetzt angesichts des guten Skripts, des hervorragenden Schauspiels und der ziemlich echt wirkenden Kulissen.
Davon, daß der Film eine Billigproduktion ist, sieht man nichts - das Geld, das vorhanden war, wurde offenbar an genau den richtigen Stellen investiert und nicht für irgendwelche unglaubwürdigen CGI-Monster ausgegeben. Vielen Dank, toller Film!