Vor einiger Zeit hörte ich bei Bekannten zufällig ein Lied, das ebenso abgedreht wie eingängig klang, es hieß "Cheapest Show" und die drei Musiker "Tiger Lillies", ein Name, der mir damals noch Schall und Rauch war. Mittlerweile bin ich den "Lillies" rettungslos verfallen. Makaber, sinister, provozierend, manchmal auch einfach traurig-schön und immer originell, ein Mix aus Chanson, Kabarett, Zirkus, und so viele musikalische Einfälle - ein tolles Trio. Und Martyn Jacques' Falsettgesang? Anfangs dachte ich, klingt ja ganz lustig, aber ob man sich das länger als drei oder vier Stücke hintereinander anhören kann? Ich ertappte mich unwillkürlich bei dem Gedanken, wie die Lieder wohl in der Stimmlage von Tom Waits oder Nick Cave klingen würden. Aber inzwischen finde ich, so müssen sie gesungen werden und nicht anders, und ich kann mir nicht nur drei Stücke, sondern die ganze CD ohne Ermüdungserscheinungen anhören, denn Jacques hat entschieden mehr drauf als der seinerzeit in ähnlichen Höhen durch die Tulpen tippelnde Tiny Tim (was ist eigentlich aus ihm geworden?), an den ich mich zuerst unwillkürlich erinnert fühlte. Seine Stimme ist erstaunlich modulationsfähig und ausdrucksstark. "Brothel to the Cemetery" ist von den drei CDs, die ich mir von den "Tiger Lillies" gekauft habe, die beste, wie aus einem Guß, obwohl ich auch den anderen locker fünf Sterne geben würde. (Empfohlen sei an dieser Stelle noch die "Tiger-Lillies"-Version des Struwwelpeter, "Shockheaded Peter", mit gruselig-schönen Moritaten - wie der "Cruel Frederick" zu Tode kommt oder Augustus, so heißt unser Suppenkaspar auf Englisch, jämmerlich dahinsiecht, das muss man einfach gehört haben.) Wer Waits und Cave mag und gleichzeitig auch Ween oder Emir Kusturicas No Smoking Orchestra und wer sich für Monty Python begeistern kann (Terry Gilliam soll übrigens, wie ich irgendwo gelesen habe, ein großer Fan der "Tiger Lillies" sein), dem gefällt bestimmt auch diese CD!