"I was looking for a quite place to die. Someone recommended Brooklyn" (3).
Mutlos, desillusioniert und lebensmuede; das ist Nathan Glass, der sechzigjaehrige Protagonist von Paul Austers neuestem Roman "The Brooklyn Follies". Von seiner Frau geschieden und gerade mal so halbwegs von einem Lungenkrebsleiden genesen, will er nur noch eins: in Ruhe sterben. Um dieses Vorhaben in die Tat umzusetzen, kehrt er in seine Geburtsstadt Brooklyn zurueck. Doch es kommt alles ganz anders.
Im Buchladen des mysterioesen Harry Brightman trifft Nathan seinen Neffen Tom Wood, einst ein vielversprechendes akademisches Nachwuchstalent, heute ein einsamer und erfolgloser Mann anfang der dreissig.
Das Leben dieser beiden gestrandeten Existenzen erhaelt neuen Schwung, als ploetzlich Lucy, die Tochter von Toms Schwester und Nathans Nichte Aurora, vor der Tuer steht. Das Problem ist nur, dass sie sich weigert zu sprechen. Auf der Suche nach Aurora entdecken alle Beteiligten, dass das Leben zwar auch tragische aber eben vor allem schoene Seiten haben kann.
Klingt alles ein bisschen kitschig, ist es aber nicht, auch wenn es beileibe kein typischer Auster ist. Der amerikanische Autor ueberrascht seine Leserschaft mit einem Roman, der optimistischer, positiver und warmherziger daherkommt als die meisten seiner frueheren Romane. Es scheint fast so, dass ein alternder Auster sich in "The Brooklyn Follies" gerade mit dieser Thematik auseinandersetzt. An manchen Stellen wirkt der Roman geradezu wie ein Loblied auf das Leben auch und gerade jenseits der 60:
"Sex among ageing people can have its embarassments and comical longeurs, but there is also a tenderness to it that often eludes the young. Your breasts might sag, your cock might droop, but your skin is still your skin and when someone you care about reaches out and touches you or holds you in her arms and kisses you on the mouth you can still melt in the same way you did when you thought you would live forever" (275).
Fazit: eine Ode an das Leben aus der Feder eines der bedeutensten Vertreter der Postmoderne.