Nachdem 2008 ja etwas unter dem Stern der Comeback-Alben und Abschiede (Q-Tip: The Renaissance, LL Cool J: Exit 13) stand meldet sich im Folgejahr etwas verspätet der Pionier Grandmaster Flash wieder zu Wort und droppt mit "The Bridge - Concept Of A Culture" seit einer gefühlten Ewigkeit endlich noch einmal etwas anderes als ein Best-Of.
Der erste Eindruck ist auf jeden Fall gelungen: Ein sehr cooles, modernes Cover und Backcover mit einem Grandmaster in Macht ausstrahlender Pose, ganz so, als wollte er den Hip-Hop-"Künstlern", die sich heute vielleicht ein gaaanz bisschen zuviel dem kommerziellen Erfolg verschrieben haben (hust...Lil' Wa...hust) zeigen wo's langgeht. Dieser Eindruck bestätigt sich dann auch während dem Hören, auf dem Album tauchen nämlich immer wieder Songs auf, die dieses Thema ganz explizit ansprechen ("We Speak Hip-Hop" feat. Abass, Afasi, Kase-O, KRS-One & Maccho). Ich muss zugeben, dass ich keinen von diesen Namen, außer Abass und natürlich den Blastmaster schon einmal gehört habe, das ist auch bei anderen Titeln so und hat einen guten Grund: Flash versucht nämlich, etablierte Hip-Hop-Größen (Q-Tip, Busta Rhymes...) zusammen mit jungen Rappern, die Wert auf die Erhaltung des echten Hip-Hop legen, ans Mic zu stellen.
Das ist ein klasse Konzept, doch in der Ausführung hapert es dann meiner Meinung nach doch etwas.
So gefallen mir die Legenden deutlich besser, als die jungen MCs, deren zweifellos sehr gute Raps leider oft nicht so richtig zu den Beats und vor allem zu Flash selber passen wollen. Heraus kommen teils Lieder mit sehr nervigem Hook und teils alberne, amateurhaft wirkende Texte, wahrscheinlich weil Flash den Jungs gesagt hat: "Hey Mann, wie wär's mit 'nem kleinen Gettho-Lovesong, sowas ham' wa noch nich auf dem Album. Und das, obwohl Flash's Beats auf diesem Album so gar nicht zu solchen Liedern passen wollen und der jeweilige Youngster-Rapper anscheinend auch nicht unbedingt der Typ ist, der solche Tracks schreiben und rappen sollte.
Natürlich ist das nicht jedes Mal so. Bei den 19 Tracks + 2 bereichernde Remixes sind fast genauso viele richtig gute Songs dabei, wie solche, die in die Hose gegangen sind. Klasse Lieder sind z.B.:
Bounce Back feat. Busta Rhymes
What If feat. KRS-One
Can I Take You Higher feat. Grandmaster Caz, Mister Cheeks & Tito
...
Allerdings reicht das nicht, um die vielen nervigen Tracks zu aufzuwiegen.
Trotzdem befürworte ich dieses Projekt vom Grandmaster auf jeden Fall, er bemüht sich hier nämlich nicht nur um echten Hip-Hop, sondern weiß auch, dass Stillstand Rückstand bedeutet und bringt einen neuen Sound, der wahrscheinlich einfach nur noch zu ungewohnt und unausgereift ist, in einer weiterentwickelten Form aber so richtig geil werden könnte.
P.S. Ich habe Snoop Dogg und Big Daddy Kane als Features noch gar nicht erwähnt, die hier ebenfalls gute Arbeit abliefern. Trotzdem:
Irgendetwas über 3 Sterne, aber 4 waren mir doch zuviel. Trotz allem hoffe ich auf eine Fortsetzung.