Nach dem zuckerpoppigen "Afternoons in Utopia", das trotz schönen Liedern und meisterhaften Produktion doch inzwischen weitestgehend mit den 80ern aus der Mode geraten ist, legten Alphaville ein Album nach, das mit allem brach, was sie bisher gemacht haben - und das die Zeit unbeschadet überdauert hat.
The Breathtaking Blue ist auch heute noch aktuell - athmosphärisch dicht, vielseitig, intelligent arrangiert und fantastisch gesungen. Vor allem: eigenwillig. Spätestens hier haben Alphaville einen ganz eigenen Sound zwischen Synthpop, Rock, Jazz, Funk und Swing gefunden.
Von großartigen Balladen wie Summer Rain zum erstaunlich rockigen Romeos (das es sehr verdient hätte, ein Hit zu werden), vom raffiniert-unterkühlten She Fades Away zum intimen Heaven or Hell, vom verträumt-jazzigen, komplexen For a Million zum schrullig-eckigen Middle of the Riddle wird nie Gewohntes oder Gewöhnliches geboten, sondern stets die Grenzen der Popmusik ausgelotet und überschritten. Wenn am Schluss das Sinatraartige "Anyway" das Hörerlebnis abrundet, ist man versucht, gerade wieder von vorne loszulegen: Man hört sich in The Breathtaking Blue nicht so schnell ein wie in die beiden Vorgängeralben, doch dafür kann man sich an der eigenwilligen Musik von grandioser Qualität auch nicht mehr satt hören.