Ich möchte hier nichts schreiben von Dolby oder Mono oder sonst irgendwelchen technischen Kram von dem ich keine Ahnung habe und der für mich ohnehin nie von Bedeutung bei der Bewertung ist, sondern lieber einen Beitrag zu Inhalt und Schauspielern schreiben.
Die Bounty ist und bleibt ein Mythos, jeder kennt die Story und doch auch nicht. Dieser Film ist eine neue Interpretation der Ereignisse um den 28. April 1789 und wie ich meine nicht die schlechteste. Immerhin wird Blight nicht als blutrünstiger Schikaneur dargestellt. Man hat in dem Film aber auch seine guten Seiten nicht weiter herausgearbeitet. Auch viele Begleitumstände sind "vergessen" worden. Um nur einige zu nennen. Lt. Blight war ein hervorragender Seemann und Navigator der mit einem Segelschiff umzugehen wußte. Er war der erste Kommandant der das sog. drei-Wachen-System einführte um die Mannschaft zu schonen. Die Reise selbst war von vielen merkwürdigen Umständen begleitet die sie eigentlich von vorneherein zum Scheitern führen mußte, so z.b. die verzögerte Abreise im Dezember oder das Fehlen von Seesoldaten die normalerweise für die Disziplin auf einem Schiff seiner Majestät verantwortlich waren. Zudem war Blight der einzige Offizier an Bord der "Bounty". Mr. Christian war weder der Erste Offizier noch ein Freund von Lt. Blight wie im Film dargestellt. Natürlich spielen noch viele Faktoren eine Rolle in der Meuterei. Schade, der Film macht den Versuch Blight gerecht zu werden, nur leider nicht in aller Konsequenz. Und wieder bleibt die Meuterei nicht so recht nachvollziehbar.
Zu den Schauspielern ist nicht viel zu sagen, Hopkins in einer seiner besten Rollen (nur "Titus" ist nicht zu schlagen!). Glaubwürdig, vielleicht aber noch besser wenn er den wahren Blight hätte spielen dürfen. Leider kann ich das von Gibson in der Rolle des Mr. Christian nicht sagen. Fehlbesetzung, zu amerikanisch wirkt seine Schauspielerei. Unglaubwürdig, wenn man weiß wie es auf einem Schiff zur Zeit Nelsons wirklich zuging. Allein schon ständig das offene (schneeweiße) Hemd! Kein englischer Seemann wäre so herumgelaufen. Ohnehin hat man den Eindruck der ganze Film ginge ihm irgendwie nichts an.
Vielleicht ist da das amerikanische Actionkino a la "Payback" doch eher sein Metier.
Dabei hat der Film doch noch eine großartige Rolle. Nämlich die der Bounty. Das Schiff ist ein hervorragender Nachbau des originalen Schiffes das mal "Bethia" hieß und von der die Pläne noch existieren. Der Nachbau ist etwas größer aber das fällt nicht so auf. Die Aufnahmen vom Schiff sind sehenswert.
Die Synchronisation ist soweit o.k., es gibt zwar Mängel. Z.B.: Man übernimmt das "Ruder" und nicht das "Steuer" oder Blight wird mit "Käpt" angeredet ist aber "Kommandant" (Commanding Officer)und nicht "Käpt" der Bounty, aber das fällt wohl nur auf, wenn man die Terminologie eines Kriegsschiffes kennt (dafür ärgert es dann aber umso mehr...).
Fazit: Alles in allem o.k., man kann ihn sich ansehen, wer aber wissen will, was wirklich passiert ist muß zu anderen Quellen greifen.