Rom, 25. Juli 1492: Papst Innozenz VIII ist tot, der Vatikan ein organisatorisches Chaos und es beginnt das große Hauen und Stechen oder besser Kaufen und Bestechen der Kardinäle. Dem Gewinner dieses Machtpokers winkt ein großer Preis: Die Papstkrone. Kardinal Borgia erweist sich als am gewieftesten oder zumindest am vermögendsten und erkauft sich die nötige Stimmenmehrheit. Am 11. August 1492 wird Rodrigo Borgia zu Papst Alexander VI gewählt. Kardinal della Rovere ist davon jedoch alles andere als begeistert und kennt nur noch ein Ziel: Die Absetzung des Borgia Papstes. Für dieses Ziel ist er bereit jedes Opfer zu bringen, sogar die ewige Stadt Rom.
Um sich gegen die Intrigen seiner Kardinäle abzusichern, beginnt Alexander VI ebenfalls ein Netz aus Intrigen und Nepotismus zu spinnen. Er verheiratet seine Tochter Lucrezia mit Giovanni Sforza gegen die Zusicherung militärischer Hilfe, erhebt seinen ältesten Sohn Cesare gegen dessen Willen zum Kardinal und macht Juan zum Anführer der päpstlichen Streitkräfte. Doch Kardinal della Rovere hat sich ebenfalls mächtige Unterstützer gesichert: Den französischen König.
Nach den Tudors war es nur noch eine Frage der Zeit welche intrigante Großfamilie als nächstes über die Bildschirme flimmern würde. Die Wahl fiel auf die berühmt berüchtigten Borgias. Genau wie die Tudors lief auch diese Borgia Verfilmung auf Pro 7 und sollte nicht mit jener verwechselt werden, die nahezu zeitgleich vom ZDF ausgestrahlt wurde (
Borgia).
Die erste Staffel umfasst den Zeitraum vom 25. Juli 1492 bis 1498 und ähnlich wie bei den Tudors hat man sich für eine gefällige Darstellung mit opulenten Kostümen und grandiosen Kulissen und gegen sklavische, historische Korrektheit entschieden. Wie schon bei Heinrich VIII entschied man sich gegen eine dem Original ähnliche Besetzung. Jeremy Irons sieht aber auch deutlich besser aus der in Wahrheit extrem adipöse Papst Alexander VI.
Auch wurden einige historische Unkorrektheiten zugunsten einer besseren filmischen Darstellung in Kauf genommen. Der Meuchelmörder Micheletto war schon lange vorher Leibwächter der Papstkinder, Lucrezia lebte bei Giulia Farnese und nicht bei ihrer Mutter, Giovanni Sforza war deutlich jünger und der Vollzug der Ehe wurde erst einmal wegen der Jugend der Braut ausgesetzt, auch König Karl VIII war deutlich jünger und Vanozza hatte drei Ehemänner. Kardinal Orsini wird deutlich zu früh zu seinem Gott befördert genau wie Prinz Djem.
Auch wirkt barocke Musik einfach pompöser und für den Zuschauer gewohnter bei einer Papstkrönung als die angemessene Renaissancemusik. (
Zadok the Priest wurde von Georg Friedrich Händel (1685 - 1759) komponiert).
Eine Verfilmung in Tudor Tradition mit den gewohnten Zutaten: Mächtige Männer, schöne, kluge und intrigante Frauen mit diversen Seitensprüngen. Natürlich könnte man sich darüber aufregen, dass wieder nur das übliche Schema neu aufgekocht wird, aber das ist bereits seit den 80er Jahren so. damals war es Dallas und der Denver Clan, heute gibt es wenigstens eine historische Vorlage. Auch wenn nicht alle historischen Fakten korrekt sind, so ist es doch eine Möglichkeit einige wenige historische Fakten oder zumindest das generelle Wissen um die Familie Borgia an das Pro7 Publikum zu vermitteln. Die Darstellung ist erstaunlich Ausgewogen. Man betritt nicht in die klassischen bösen, bösen Borgias Pfade, sondern zeigt auch durchaus, dass Alexander VI nicht nur machtgierig war, sondern im Vatikan Ordnung geschaffen hat (zumindest auf Verwaltungsebene) und Lukrezia mehr als eine perfide Giftmischerin war.