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The Bootleg Series Vol. 4: Live 1966 (The "Royal Albert Hall" Concert)
 
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The Bootleg Series Vol. 4: Live 1966 (The "Royal Albert Hall" Concert) [Doppel-CD]

Bob Dylan Audio CD
4.9 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (10 Kundenrezensionen)
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Produktinformation

  • Audio CD (19. Oktober 1998)
  • Anzahl Disks/Tonträger: 2
  • Format: Doppel-CD
  • Label: Col (Sony Music)
  • ASIN: B0000247SU
  • Weitere verfügbare Ausgaben: MP3-Download
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.9 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (10 Kundenrezensionen)
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Disk 1:

Hörproben
Song Länge Preis
Anhören  1. She Belongs To Me 3:27EUR 0,99
Anhören  2. Fourth Time Around 4:37EUR 0,99
Anhören  3. Visions Of Johanna 8:08EUR 0,99
Anhören  4. It's All Over Now, Baby Blue 5:45EUR 0,99
Anhören  5. Desolation Row11:31EUR 0,99
Anhören  6. Just Like A Woman 5:52EUR 0,99
Anhören  7. Mr. Tambourine Man 8:52EUR 0,99


Disk 2:

Hörproben
Song Länge Preis
Anhören  1. Tell Me, Momma 4:49EUR 0,99
Anhören  2. I Don't Believe You (She Acts Like We Never Have Met) 5:30EUR 0,99
Anhören  3. Baby, Let Me Follow You Down 3:27EUR 0,99
Anhören  4. Just Like Tom Thumb's Blues 5:37EUR 0,99
Anhören  5. Leopard-Skin Pill-Box Hat 3:21EUR 0,99
Anhören  6. One Too Many Mornings 3:38EUR 0,99
Anhören  7. Ballad Of A Thin Man 7:00EUR 0,99
Anhören  8. Like A Rolling Stone (Live Version) 8:01EUR 0,99


Produktbeschreibungen

Aus der Amazon.de-Redaktion

Die großartigste Liveaufnahme der Rock 'n' Roll-Geschichte soll -- so heißt es zumindest offiziell -- mehr als ein Vierteljahrhundert lang in den Kellern von Columbia Records verbuddelt gewesen sein. Aber das hat jetzt ein Ende: Live 1966: The "Royal Albert Hall Concert" ist auf zwei Platten erschienen, die aus den dreispurigen Originalbändern geremixt und produziert wurden und die zahlreichen Raubkopien blaß aussehen lassen. Und was noch bedeutender ist: Live 1966 dokumentiert den Moment eines künstlerischen Showdowns zwischen einem launischen, leidenschaftlichen und völlig furchtlosen Interpreten und dem störrischen Kern seines Gefolges. Dylan hatte in den Sechzigern den Sprung von der sozial engagierten Stimme seiner Generation zum surrealen, spannungsgeladenen Poeten geschafft -- eine Verwandlung, die von einer Stimme aus dem Publikum verächtlich kommentiert wurde. Der vielsagendste Moment der Aufnahme konzentriert sich auf die Zuhörer: Ein Folk-Fanatiker aus dem Publikum ruft: "Judas!" und wird dafür von der streitsüchtigen Menge bejubelt. Dylan antwortet mit einem wütenden: "Ich glaube Dir nicht. Du bist ein Lügner", wendet sich dann an seine Musiker, die Hawks (die bald die Band werden sollten), und befiehlt, während sich das Intro zu "Like a Rolling Stone" entfaltet: "Spielt laut!". Ein entscheidender Moment und, wie die Zeit beweisen sollte, der richtige Ausruf. --Steven Stolder

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LIVE 1966 THE ROYAL ALBERT HAL

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33 von 35 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Historisch 28. Januar 2006
Von JR
Format:Audio CD
Eine Zeitmaschine wäre schon etwas Tolles. Interessante Orte und Zeiten könnte man damit besuchen, ewige Mysterien aufklären, zum Zeugen weltbewegender Ereignisse werden – und natürlich die musikgeschichtlichen Kenntnisse auffrischen. So würde ich mich denn zuallererst an den Abend des 17. Mai 1966 teleportieren, in die Free Trade Hall in Manchester auf einer schönen grünen Insel namens England. An jenem Tag in jener Stadt in jenem Land findet nämlich das wohl berühmteste Konzert der modernen Populärmusik statt. Es stellt nicht nur einen Wendepunkt in der Karriere eines der grössten Künstler unserer Zeit dar, es öffnet nicht nur ein neues Kapitel in der Geschichte der Rockmusik – es repräsentiert auch ein unglaublich mächtiges künstlerisches Statement und zählt ganz einfach zu den schönsten und berührendsten Aufnahmen, die mir bekannt sind.

Der 17. Mai 1966 also. Free Trade Hall. Manchester. Die Beatles haben im Jahr zuvor mit „Rubber Soul“ ihr erstes experimentelles Meisterwerk veröffentlicht und arbeiten an ihrem Geniestreich „Revolver“. Die Stones ruhen sich noch auf dem grossen „Aftermath“ aus. Am Tag zuvor, dem 16. Mai, wurde „Pet Sounds“ von den Beach Boys veröffentlicht. Ebenfalls am Sechzehnten war die erste Doppel-LP aller Zeiten erschienen: „Blonde on Blonde“, ein Hit, kreativ wie kommerziell, der einen Bob Dylan auf seinem künstlerischen Zenit zeigte. Dieser Bob Dylan ist jetzt in Manchester. Er muss erschöpft sein, denn hinter ihm liegen Monate des Tourens. Amerika, Australien, Westeuropa. Der krönende Abschluss jetzt in England. Eigentlich könnte alles perfekt sein für Robert Zimmermann – er ist ein Kritikerliebling, die Intellektuellen mögen ihn, die Jugendlichen halten ihn für das Sprachrohr ihrer Generation – aber niemand hat ihn gefragt, ob er das auch sein will. Niemand hat ihn gefragt, ob er das Stehaufmännchen mit der Akustikgitarre und der Mundharmonika sein will, das allein auf der Bühne steht und feurige Protestsongs singt. 1965 hatte er mit den beiden erfolgreichen und heute als Klassikern verehrten „elektrifizierten“ Alben „Bringing it all back Home“ und „Highway 61 Revisited“ dem Folkgenre eine Absage erteilt: Auf „Bringing it all bach Home“ sang er in verschnörkelter Beatpoesie zwar noch brav gegen die herrschenden Verhältnisse an, wurde aber – O Schreck! – auf den meisten Songs von einer elektrischen Band begleitet. „Highway 61“ glänzte dann mit dem Bluesvirtousen Mike Bloomfield an der lauten E-Gitarre, beinahe konstanter Orgeluntermalung und kryptisch-apokalyptische Texte, die sich schlecht an Happenings grölen liessen. Blasphemie! Der Folk, das Genre der „Künstler“, der Intellektuellen, hatte in dem jungen Bobbie Dylan seinen neuen Heiligen gefunden, der nun gefälligst dieser Rolle zu entsprechen hatte. Dass er sich an den als kommerziell und vulgär empfundenen Rock „verkaufte“ wurde, vor allem von britischen Fans, alles andere als positiv aufgenommen. So ist es denn auch zu erklären, dass der Abschluss der mehrmonatigen Tour von 1965 und 1966 in England trotz „Blonde on Blonde“ und trotz dem Nummer-1-Hit „Like a Rolling Stone“ nicht ganz so triumphal ist, wie man denken könnte: Mit Beschimpfungen und Buhen sieht sich Dylan an den meisten Shows konfrontiert, sobald er die Akustikgitarre weglegt und die elektrisch verstärkte Hintergrundband auf den Plan tritt. Er lässt sich nicht beirren, aber er würde wohl lügen, wenn er sagen würde, dass die Ablehnung nicht an seinen Nerven zerrt.

Von Manchester hat er an diesem 17. Mai nichts anderes zu erwarten als das Übliche auf dieser Tour – Applaus bei den alten Nummern, Aufruhr bei den neuen. Auf die Bühne tritt er allein. Gott sei Dank, da ist die Akustikgitarre, da ist die Mundharmonika – erleichterter Applaus ist die Belohnung für den braven Dylan. „She belongs to me“ und die Lennon-Parodie „Fourth Time around“ werden freundlich aufgenommen, aber das Publikum scheint dem Frieden nicht ganz zu trauen. Sendet der dünne Mann auf der Bühne denn nicht verschmitzt-negative Botschaften an die hungrigen Fans? „She’s an artist, she don’t look back“ heisst es im Opener. Beim Gedanken, dass auch der „artist“ Dylan nach seinen jüngsten Ausflügen in das Reich der elektrisch verstärkten Musik nicht mehr zurückschauen könnte, lässt wohl in so manchem ein mulmiges Gefühl entstehen. „It’s all over now, Baby Blue“, einer der schönsten Songs von Dylan, hört sich hier wirklich an wie ein musikalischer Schlussstrich. „Es ist vorbei“, sagt Dylan. „Spielverderber“, denkt das Publikum. Trotzdem: Noch quietscht die Mundharmonika wie sie es sollte, die epischen elf Minuten von „Desolation Row“ lassen in ihrer Eindringlichkeit wohl niemanden unberührt und das wunderbare „Just like a Woman“ klang nie besser als hier. Es wird geklatscht. Den Publikumsliebling „Mr. Tambourine Man“ spielt Dylan dann allerdings leicht nachlässig, dehnt ihn auf qualvolle acht Minuten aus und verhunzt lustvoll die Mundharmonikaparts. Unheilschwanger ist das. Und nun das Erwartete, Befürchtete: Die Akustikgitarre wird entsorgt, die Hintergrundband um den Gitarristen Robbie Robertson betritt die Bühne. Robertson spielt eine Telecaster. Die sind bekannt für ihren besonders bissigen Sound.
Das fulminante „Tell me Momma“ wird noch mit zivilisiertem Applaus bedacht, aber spätestens als der Folkklassiker „Baby, let me follow you down“ modern interpretiert wird, reisst irgendwas. Viele klatschen immer noch, das darf man nicht vergessen. Nicht alle stehen Dylans künstlerischer Evolution feindlich gegenüber. Aber für den harten Kern der alteingesessenen Fans, die Ideologen, gibt es wohl in diesem Moment nur etwas, das schlimmer ist als der elektrische Dylan, und zwar einen elektrischen Dylan, der die heiligen Traditionals mit einer Backgroundband neu interpretiert, mit Gitarrensoli und stampfendem Schlagzeug, mit poppigen Orgelklängen. Jetzt wird nicht mehr nur applaudiert, sondern auch rhythmisch geklatscht, um die Band zu verwirren, es wird gebuht, es erschallen Rufe – „we want the old Bobby“ und anderes, weniger Schmeichelhaftes. Vor „Leopard-Skin Pill-Box Hat“ versucht das Publikum vergeblich, die Band zu übertönen und ein Weiterspielen zu verunmöglichen. Spätestens nach diesem energischen Blues ist klar, dass die auf dieser Aufnahme festgehaltenen Animositäten gegen Dylan nicht allein mit der Musik zu tun haben konnten – der elektrische Teil des Konzertes ist, selbst wenn man des Meisters geniale Texte subtrahiert – genialer, dreckiger Bluesrock, getrieben von einer hintergründigen Wut und Aggression, die man so nicht einmal im Punk findet. Nein, die Ablehnung gegen Dylan hat einen eher ideologischen Hintergrund – die Aussage des damaligen Vorsitzenden der kommunistischen Partei Schottlands, Dylan habe mit seinem Wechsel zum elektrischen Sound das Proletariat verraten, ist symptomatisch für die weltanschaulichen Turbulenzen der Sechziger.

Dylan müsste müde sein nach der ganzen Reiserei. Er müsste wütend sein und erschöpft ob der Ignoranz seiner Zuhörer. Aber er lässt sich nicht beirren. Als auch „One too many Mornings“ niedergeklatscht wird, driftet er in eine psychotisch hingenuschelte, völlig unverständliche Geschichte ab und schliesst emphatisch mit „If only you wouldn’t clap so hard!“, was mit Gejohle quittiert wird. Für die folgende „Ballad of a thin Man“ setzt sich Dylan an die Orgel und rotzt leicht abgewandt vom Publikum den wunderbar passenden Text in den Saal – „Something’s happening here, but you don’t know what it is“. Die Botschaft kommt an, genau wie alle vorherigen Botschaften angekommen sind. Man kann es sich nicht vorstellen, aber die Atmosphäre in der Free Trade Hall lädt sich noch mehr auf. Die Luft ist zum Schneiden dick, und durchschnitten wird sie nach „Ballad of a thin man“ tatsächlich: über die Buhrufe, über das Klatschen und Johlen hinweg ist eine Stimme zu vernehmen, die voller Indignation und Wut der Bühne und dem verräterischen Bob das unvergessliche, unsterbliche Schmähwort entgegenschleudert: „Judas!“

Einige scheinen den Ausruf des gesichts- und namenlosen Zuschauers zu akklamieren, dann wendet sich Dylan dem Mikrofon zu und liefert eine Neudefinition von Coolness: „I don’t believe you“, schnarrt er, als hätte ihn das Wort nicht verletzt, als wäre es an seiner Sonnenbrille abgeprallt. „You’re a liar“, setzt er nach, und er klingt wie jemand, der sich seiner Sache sehr, sehr sicher ist. Er wendet den Rücken zum Publikum und instruiert die Band: „Play fucking loud!“ Sie entspricht diesem Wunsch und liefert eine trommelfellzerreissende Version von „Like a Rolling Stone“. Hier ist also der Künstler, der an seine Vision glaubt und im Angesicht der Ablehnung für sie kämpft, und der ganz nebenbei sein Genre transzendiert und revolutioniert. Hier ist also das bedeutendste Konzert der Rockgeschichte. Man kann es kaufen und diese historischen Momente immer und immer wieder miterleben. Lesen Sie weiter... ›

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6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Ein Kunde
Format:Audio CD
Darauf haben wir lange gewartet - und das Warten hat sich gelohnt. Hat man das legendäre 66er Konzert bislang nur auf Bootlegs bekommen, so ist es jetzt endlich in einer erstaunlich guten Klangqualität auf CD erschienen. Damals schockte Dylan einen Teil seiner Besucher, indem er den ersten Teil des Konzertes erwartungsgemäß akustisch vortrug, dann aber mit den Hawks - später The Band - ein gewagtes Experiment vollzog. Dylan nahm die E-Gitarre und rockte, bis ihn ein Fans sogar als Judas beschimpfte. Legendär. Doch Dylan machte nun, was ihm Spaß machte und was er konnte und bis heute noch tut: Rock'n'Roll . die Musik mit der er auch aufgewachsen ist. Im Mittelpunkt des zweiten Teils stehen Dylans Gesang und das Schlagzeug - beide peitschen sozusagen bei Tell Me, Momma den Song voran. Ein wahrer Genuß. Hier wird wie bei kaum einer anderen Aufnahme der Disput Künstler - Publikum deutlich. Und Dylan setzt sich durch. Grandios. Beim Hören dieser Aufnahme fehlen einem die Worte: Hat es je ein besseres Konzert gegeben? (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)
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10 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Dramaturgie eines Konzerts 17. Dezember 2006
Format:Audio CD
Dylan vor 40 Jahren: Der junge, dünne Dichtergott mit der näselnden Stimme, dem die Songs nur so zuflogen, der eine riesige Fangemeinde um sich geschart hatte, der sich vor Vereherinnnen nicht retten konnte, das Idol von unzähligen Epigonen (und das mit 25 Jahren), jedes Konzert, das der Mann mit der Gitarre und der Mundharmonika bestritt, wurde zum Hochamt der Protestbewegung, Dylan war auf dem besten Weg, ein Säulenheiliger zu werden.

Die bedingungslose Verehrung der Folkgemeinde dürfte dem Meister allerdings nach einiger Zeit ziemlich auf die Nerven gegangen sein. Von Idolen wird leider allgemein verlangt, daß sie sich nie verändern, was man von Dylan, der sich über seine ganze Karriere hinweg niemals in eine Schublade pressen lassen wollte (passierte ihm trotzdem immer wieder), nun wirklich nicht verlangen konnte.

Drei hervorragende Alben lang (läßt man das etwas mediokre Debut mal außer Acht) hatte sich Dylan als Strassen - und Protestsänger mit Gitarre und Harmonika stilisiert, nun erinnerte er sich wohl seiner Highschool - Träume, mal in einer Band zu spielen wie Elvis. Gedacht, getan. Dylan holte sich zusätzliche Musiker ins Studio, schnallte sich die Elektrische um und nahm in kurzer Folge die drei Alben auf, die so etwas wie die "Heilige Dreieinigkeit" des Dylan - Kanons bilden: "Bringing It All Back Home", "Highway 61 Revisited" und das einzigartige Doppelalbum "Blonde On Blonde", meiner Meinung nach noch immer das beste Album der Rockgeschichte. Die Elektrifizierung des Dylan - Sounds löste, wie kalkuliert, einen Jubel - und Entrüstungssturm aus. Viele Fans waren ausgesprochen begeistert von der neuen Musik und den poetischer und kryptischer werdenden Texten, an denen die Dylanologen (ich hoffe, dieses Fach kann man irgendwann studieren) seit Jahrzehnten herumdeuteln. Die beinharte Folk - Gemeinde jedoch war von Gesinnungswechsel ihres Idols alles andere als begeistert, man fühlte sich verraten und verkauft, ausgerechtnet vom größten Hoffnungsträger seit Pete Seeger. Kurz gesagt, die Atmosphäre war ziemlich geladen, und Dylan ging auf Tour.

Dieses Konzert wurde am 17. Mai 1966 in der Free Trade Hall in Manchester (und nicht in der Royal Albert Hall, wie lange irrtümlich behauptet wurde, das nur nebenbei) aufgezeichnet und gibt ein beeindruckendes Zeugnis der Bühnenpräsenz Dylans zu dieser Zeit und der heftigen Reaktionen der Zuhörerschaft ab. In Amerika hatte man den Schock zum größten Teil schon verdaut, viele Fans waren den Weg mitgegangen, einige hatten sich abgewandt (Pech gehabt). In England sah die Sache noch etwas anders aus. Man wußte nicht,was man zu erwarten hatte, mit steigender Spannung erwartete man die Auftritte des Meisters.

Und da steht er, wie man es von ihm gewohnt ist. Alleine, die Gitarre umgeschnallt, mit der Mundharmonika (CD 1). Dieser erste Teil des Konzerts ist unfaßbar intensiv. Dylan spielt ein umwerfendes Set seiner besten Songs und gibt auch neues Material in einer akustischen Version zum Besten. Er beginnt mit "She Belongs To Me", einem seiner schönsten Lovesongs, "Fouth Time Around" und "Visions Of Johanna" werden mit unglaublicher Präzision und Intimität vorgetragen, "It's All Over Now, Baby Blue" spiegelt die Trauer über eine gescheiterte Beziehung wider, ohne Tränenzieherei und falsches Pathos, "Desolation Row", das berühmte Langgedicht von "Highway 61" spielt er ein einer phantastischen Akustik - Version, zum Ende des ersten Teils gibt er zwei seiner größten Hits zum Besten: "Just Like A Woman" und "Mr. Tambourine Man", letzeres ein wenig schludrig, man ahnt, daß Dylan sich von seinem alten Image verabschiedet hatte. Das Publikum wirkt von Song zu Song entspannter, das Idol hatte doch den "Pfad der Tugend" nicht verlassen. Nach jedem Lied wird begeisterter Applaus gespendet und man begibt sich erleichtert in die Pause.

Im zweiten Teil des Konzerts (CD 2) schließlich der Schock: Dylan hat die Akustische gegen eine elektrische Gitarre getauscht, auf der Bühne stehen die "Hawks" (später "The Band") und man beginnt mit einer turbogeladenen Version von "Tell Me, Momma". Der Schrecken sitzt. Zunächst ist das Publikum wie gelähmt, man kann es einfach nicht fassen, die Gerüchte sind also wahr, Dylan hat sich an den Rock 'N' Roll verkauft! Während der nächsten Songs ("I Don't Believe You", "Baby, Let Me Follow You Down", "Just Like Tom Thumb's Blues", alle unglaublich intensiv und schlichtweg hervorragend vorgetragen) spaltet sich die Zuhörerschaft. Viele sind begeistert, klatschen mit und bejubeln den "neuen" Dylan. Andere lassen ihrer Wut freien Lauf, es gibt ein ohrenbetäubendes Pfeifkonzert, man versucht, durch Geschrei und Getrampel die Musik zu übertönen, vergeblich natürlich.

Was macht Dylan? Der fühlt sich in seinem Element, provoziert zusätzlich mit einer unglaublich arroganten Attitüde, für die man ihn nur entweder hassen oder lieben kann, man höre nur mal die Ankündigung von "Leopard Skin Pill - Box Hat", oder die ironische Bitte vor "One Too Many Mornings", doch bitte nicht zu laut mitzuklatschen. Zum Ende gibt er noch zwei seiner genialsten Songs zum Besten, die für die Situation nicht besser geeignet sein könnten. "Ballad Of A Thin Man", mit einer bis zur Grenze des Erträglichen Spannung vorgetragen, Dylan halb abgewandt am Klavier schleudert immer wieder "Something's happening here, but you don't know what it is, do you, Mr. Jones?" in die tobende Menge.

Und zum Schluß hört man eine Rocklegende entstehen. Jemand im Publikum ruft "Judas", erntet von der Wutfraktion begeisterte Zustimmung, von Dylan dagegen die berühmt gewordene Replik "I don't believe you, you're a liar!", dann wendet er sich zur Band um, sagt "Play f***in' loud!" und stürzt sich in die ultimative Version von "Like A Rolling Stone".

Mehr geht nicht, ich kenne kein besseres und dramatischeres Live - Album. Eine Dylan - Sammlung ohne dieses Konzert ist nicht denkbar.

Dringendste Kaufempfehlung!!!
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Hochstilisierter Abend der Gegensätze!
Prädikate wie "historisch", "einschneidend" oder "einmalig" treffen auf das berühmte "Royal Albert Hall Concert" allemal zu. Lesen Sie weiter...
Vor 6 Monaten von Michael Krautschneider veröffentlicht
digitalisierte power!
schön, dass solche prätiosen ausgegraben werden, und dann auch noch um diesen preis!

ich schreibe diese rezi jetzt gar nicht, um leuten die eh schon fast alles... Lesen Sie weiter...
Vor 17 Monaten von Stephan Urban veröffentlicht
Bob Dylan Live 1966
die erste hälfte akustisch- die zweite hälfte elektrisch.
dylan legt los- she belongs to me aus bringing it all back home. hypnotisch schon mal. Lesen Sie weiter...
Am 28. März 2006 veröffentlicht
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Warum dieses Konzert, das unter Kennern und Dylan-Fans absoluten Legenden-Status inne hat, erst 1998 von Columbia veröffentlicht wurde, ist ein Rätsel, welches jedoch... Lesen Sie weiter...
Veröffentlicht am 18. August 2003 von Michael Schäfer
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