Nach 6 Jane Rizzoli-Thrillern gönnt Tess Gerritsen ihren Serienheldinnen Maura Isles und Jane Rizzoli eine kurze Verschnaufpause. Nur Maura kommt am Beginn von "The Bone Garden" quasi in einem Gastauftritt kurz vor.
Die Lehrerin Julia Hamill ist mit ihren 38 Jahren gerade einmal ein halbes Jahr geschieden, als sie einen verhängnisvollen Impulskauf wagt. Ein 150 Jahre altes Haus, mit einem 4000 m² Grundstück und verwilderten Garten. In der Aufarbeitung des Gartens hofft Julia in den Sommerferien Ablenkung zu finden, doch schon bald macht sie eine schockierende Entdeckung, denn ein Stein entpuppt sich als Schädel und das Rechtsmedizinische Institut fördert das dazugehörende Skellett einer Frau aus dem 19. Jahrhundert zu Tage. Doch wer ist diese namenlose Frau, die einfach verscharrt wurde? Mit Hilfe des Cousins und Familienchronisten, der Vorbesitzern ihres Hauses, begibt sich Julia auf eine Reise in das Boston des Jahres 1830.
Das irische Einwanderermädchen Rose Conolly muss miterleben wie ihre Schwester an Kindbettfieber stirbt und schwört sich alles zu tun, um nun ihre neugeborene Nichte zu beschützen. Doch schon bald erschüttert eine Mordserie die Stadt und fordert das Leben der Geburtshelfer von Rose' Nichte. Dabei gerät der begabte Medizinstudent Norris Marshall in das Visier der Nachtwache, ist er doch als Farmersohn auch im Schlachterhandwerk geübt und ohne reiche oder einflussreiche Familie ein leichtes Opfer für die Justiz...
The Bone Garden hat sich die Bezeichnung als historischer Thriller mehr als verdient. Wie in den Jane Rizzoli-Thrillern praktiziert verwebt Tess Gerritsen gekonnt zwei Handlungsbögen miteinander, von denen einer normalerweise "nur" die Hintergründe enthüllt, diesmal aber im Zentrum der Handlung steht. Die Handlung um Julia Hamill dient lediglich dem Zweck. Sehr plastisch und realistisch geschriebenen, versetzt the Bone Garden seine Leser direkt in das Boston des 19. Jahrhunderts und berichtet nicht nur vom Alltag der Medizinstudenten, sondern auch wie diese zu ihren "Schulungsmaterial", also Leichen, kommen.
Nach 18 Büchern, davon 6 mit Jane Rizzoli, hat Tess Gerritsen einen beachtlichen Erfahrungsschatz und stilistische Reife entwickelt, dennoch wagt sie es noch nicht gänzlich auf Love-Elemente zu verzichten, vielleicht auch um ihren Stil treu zu bleiben. Der Titel "Bone Garden" legt außerdem falsche Schlüsse zur Handlung nahe, denkt man dabei doch vielleicht an einen Gräbergarten und mehrere Skelette. Spannend ist das Werk dessen ungeachtet bis zur letzten Seite, viele Überraschungen und Handlungswendungen machen den Plot unvorhersehbar und lassen den Leser regelrecht süchtig danach werden, so dass man unbedingt wissen möchte, wie es weiter geht.
Fazit:
Auch ohne Jane Rizzoli ein hochspannendes und faszinierendes Buch. Dichte Atmosphäre, sehr plastische Darstellungen und ein wendungsreicher, kaum vorhersehbarer Plot machen The Bone Garden zu einem hervorragenden historischen Thriller, womit Tess Gerritsen einmal mehr ihr Können unter Beweis stellt.