"The Blue Jukebox" ist kein Knaller-Album: kein Album, das einem vom ersten Takt an vom Hocker reißt. Was aber schon nach wenigen Takten deutlich wird: Chris Rea hat mit "The Blue Jukebox" ein Album für Genießer eingespielt. Man weiß nämlich sehr bald, dass diese CD nicht im Regal verstauben wird. Ein typisches Jelängerjeöfter-Album.
Chris Rea begibt sich mit seiner unverwechselbaren Stimme in die Abgründe von Blues und Jazz. Das "Blue" im Albumtitel steht gleichermaßen für den Blues wie für die "blue note", und oft auch für die gelungene Kombination von Blues- und Jazz-Elementen.
Der erste Gesamteindruck: Ein ruhiges, stimmungsvolles Album; die Musik klingt gelassen, cool, aber keineswegs gelangweilt.
"The Blue Jukebox" ist definitiv kein "Back to the Roots"-Album, das sollte man sich klarmachen, bevor man auf die Stichwörter "Blues" und "blue note" reagiert. Chris Rea hält meisterlich die Balance zwischen klarer Melodie und Improvisationsfreude, zwischen markantem Blues-Rhythmus und verspieltem Jazz; bei aller Tiefe lässt er sich kaum einmal zu selbstverliebten Überlängen oder melodietötenden Improvisations-Orgien verleiten. Man kann ihm höchstens vorwerfen, in einem oder zwei Tracks ein wenig zu glatten Bar-Jazz zu spielen (z.B. in "Paint My Jukebox Blue"). Diese (sehr wenigen) Tracks klingen tatsächlich ein wenig beliebig, passagenweise gar langweilig, trotz der schmelzenden Saxophon-Soli im Hintergrund... Aber die allermeisten Tracks auf "The Blue Jukebox", ob sie nun eher zum Blues oder zum Jazz tendieren, verbreiten eine unglaublich gelassene, gelöste Atmosphäre. Dem Hörer kann das nur recht sein: "The Blue Jukebox" ermöglicht trotz hohen Wiedererkennungswertes bei jedem neuen Hören neue Entdeckungen: wunderbare Details, etwa in der Kombination von Rhythmuswechseln und ausgebuffter Instrumentierung.
Dominiert wird das Album natürlich von Chris Reas rauchiger Stimme, von ihrer unprätentiösen Klangfarbe, die auch den ausgefeiltesten Arrangements eine sympathische Wohnzimmer-Atmosphäre verleiht. Ein weiteres Charakteristikum ist Reas Blues-Gitarre; auch sie, wie sein Gesang, gelassen und doch unverkennbar; am markantesten in "Somebody Say Amen", einem gediegenen Blues mit leichtem Jazz-Einschlag, aber auch in "Baby Don't Cry" -- und einigen weiteren.
Markant ist auch das Saxophon -- egal ob der jeweilige Song eher in Richtung Jazz oder zum Blues tendiert: Eric Sevas zurückhaltendes Spiel ist maßgeschneidert.
Jazz-Fans sehen das womöglich anders, aber für meinen Geschmack enthält "The Blue Jukebox" allerdings ein wenig zu viel Bar-Jazz -- zwar spielen Chris Rea und seine Band auch hier meisterlich auf, und etliche Passagen sind zum Dahinschmelzen schön, aber mitunter klingt mir das alles "zu ästhetisch" -- neben dem bereits erwähnten "Paint My Jukebox Blue" betrifft das auch noch "Steel River Blues" und "Let It Roll", der letztere Song dreht gegen Ende doch noch erfreulich auf, während z.B. "What Kind of Love Is This" nach tollem Anfang gegen Ende nachlässt.
Hingegen sind die vielen Blues-Tracks auf "The Blue Jukebox" vom Allerfeinsten: Zum Beispiel "The Beat Goes On" als Anfang und "Speed" als würdiger Abschluss bilden ganz einfach einen edlen Rahmen; sie klingen so melancholisch, wie Blues nunmal klingen muss -- und gleichzeitig cool. Wunderbare Musik eben. Einige andere Songs (Let's Do It, Somebody Say Amen, Monday Morning, Restless Soul, Baby Don't Cry) schweben auf ähnlich hohem Niveau. Hier stimmt alles, und der leichte (oder auch mal stärkere) Jazz-Einschlag macht "The Blue Jukebox" zu einem Blues-Album der Extraklasse.
Musik, die man sich auf der Zunge zergehen lassen muss. Etwas für Genießer.