Band 1 Blutzoll/Blood Trail
Toronto, März 1991. Acht Monate ist es nun her, dass Vicky "Vicktory" Nelson wegen einer Augenkrankheit, die ihr langsam die Sehfähigkeit raubt, ihren heißgeliebten Job als Polizistin aufgegeben hat. Nun ist sie Privatdetektiv und es läuft nicht besonders gut. Als Vicky spät nachts Zeugin eines Mordes in einer U-Bahn Station wird ahnt sie noch nicht, dass dieser Mord nur der Anfang einer sehr blutigen Mordserie ist. Kurz darauf taucht die Freundin des Mordopfers in ihrer Detektei auf und engagiert Vicky den Mörder zu suchen und zu finden, von dem sie überzeugt ist, dass es sich um einen Vampir handelt.
Zusammen mit ihrem Ex-Partner (in mehr als einer Hinsicht) Michael Celluci versucht Vicky den Fall zu knacken, der sich bald als eher ungewöhnlich entpuppt, vor allem, weil noch ein anderer Mann sich mit ihr bei der Lösung des Falles zusammentun will: Henry Fitzroy. Henry hat seine eigenen Gründe, warum der den Täter sucht, denn er ist ein Vampir und er hat so gar keine Lust, dass die Inquisition wieder erwacht und er eines Tages erneut mit angespitzten Pfählen konfrontiert ist. Henry liebt sein derzeitiges, ruhiges Leben in seiner Luxuswohnung und möchte nur in Ruhe weiterhin seine kitschigen Liebesromane um 1800 (Nackenbeißer) schreiben, da stören diese Morde ungemein.
Dieses Buch dürfte wohl der Vorläufer aller heutiger Urban Fantasy Bücher mit Detektivin sein. Obwohl das Buch bereits 1991 erschien, wirkt es immer noch frisch und zeitgemäß, mit einigen kleinen Ausnahmen. 1991 gab es noch keine Handys, sondern nur Münztelefone und Anrufbeantworter. Internet gab es an den Universitäten und auch erste PC hatten bereits die Büros erobert, waren aber noch nicht so verbreitet wie heute, daher wurde noch in Lexikas recherchiert.
Der Grund warum Tanya Huff diesen Vampirroman bzw. die Blut Reihe schrieb ist eher profan. Ende der 80er Jahre arbeitete sie in einem Science Fiction Buchladen in Toronto und erkannte, dass Vampirfans sehr loyal sind. Sie kaufen alles, soweit ein Blutsauger auf dem Titelbild ist, in der Hoffnung, dass es gute Unterhaltung verspricht. Da sie gerade mit ihrem Mann ein Haus erworben hatte und darauf eine große Hypothek lastete, schienen Vampire eine sichere Einnahmequelle. Daran hat sich auch heute nichts geändert.
Henry Fitzroy ist anders als die Vampire, der Bis(s) Ära. Er ist zwar ebenso kultiviert und stärker als ein normaler Mensch, aber er hat auch seine Schwächen, die das wieder ausgleichen. Er ist nicht der Übermensch wie die heutigen Vampire, die eher an vampirische Supermann Verschnitte erinnern. Henry schläft tagsüber, verträgt keine Sonne und kann durchaus verletzt werden und sterben. Er trinkt Menschenblut und zwar nur von lebenden Menschen, keine Konserven, er ist also noch ein richtiger Vampir, auch wenn er katholisch ist, zur Kirche geht und vor Kreuzen keine Angst hat. Er ist nicht übernatürlich schön, sondern einfach nur sehr attraktiv (wenn man auf rothaarige Männer steht, die ein wenig kleiner sind als man selber).
Vicky und er ergänzen sich wunderbar. Sie ist nachtblind, er kann tagsüber nicht aus dem Haus. Zusammen decken sie in ihrem Ermittlungen die kompletten 24 Stunden des Tages ab.
Dann ist da noch der Polizist Michael Celluci, Vickys Ex-Partner, mit dem sie mehr verbindet als nur eine berufliche Partnerschaft und Vicky ist hin und her gerissen zwischen diesen beiden Männern.
Dieser erste Fall der Blut-Reihe ist fast noch ein ganz normaler Krimi. Eine Mordserie erschüttert Toronto. Die Morde zeigen ein Muster und die Ermittler folgen diesem. Das Motiv ist irdisch und der Täter, ja dieser ist zumindest zum Teil durchaus menschlich.
Hier wird noch ganz normale, klassische Polizeiarbeit geleistet und die Personen der Reihe werden eingeführt.
Blood Price / Blutzoll war auch der Pilotfilm der Blood-Ties Fernsehserie, welche auf dieser Buchreihe basiert. Das Buch wurde dabei recht genau übernommen, nur bei den verschiedenen Morden und einigen Ermittlungsschritten wurde ein wenig gekürzt, wer also die Fernsehserie kennt, der kennt auch diesen ersten Band der Reihe.
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Band 2: Blutspur / Blood Trail
Toronto, August 1991. Es ist heiß und schwül als Henry, der uneheliche Sohn Heinrich VIII, und seines Zeichens Vampir, einen neuen Auftrag für Vicky hat: Zwei Freunde von ihm wurden erschossen.
Dass es sich bei Henrys Freunden nicht um normale Menschen handeln kann ist Vicky schon klar, aber es erstaunt sie doch, als der niedliche kuschlige Hund sich plötzlich in einen jungen Mann verwandelt. Henrys Freunde sind Werwölfe! Irgendjemand ist jedoch nicht damit einverstanden, dass Werwölfe mit ihm dieselbe Luft atmen und erschießt sie des Nachts in ihrer Wolfform mit einem Kopfschuss. Eine Klage ist unmöglich, denn wer wird schon eine Untersuchung wegen zwei erschossener Wolfshunde auf dem platten Land initiieren. Die Einzige Möglichkeit für die Werwölfe Gerechtigkeit zu bekommen ist, den Täter selber ausfindig zu machen.
Dieser Roman ist ein normaler Krimi, mit ein wenig Werwolf. Eigentlich handelt es sich um eine normale, leicht erschwerte Mordermittlung. Erschwert in dem Sinne, als dass man nicht herumgehen kann und fragen kann, wer auf Wölfe mit Silberkugeln schießt. So ermittelt Vicky offiziell im Falle einer Erschießung von Hofhunden und stapft durch die Wälder, sichert Spuren und redet mit den Nachbarn, also normale, solide Polizeiarbeit.
Erschwert wir das Ganze durch ihren Ex-Partner, den Polizisten Celucci, mit dem Vicky mehr als Freundschaft verbindet, so wie mit Henry. Celucci ist eifersüchtig und beginnt zu ermitteln, wer dieser Henry Fitzroy ist und entdeckt einige auffällige Lücken in dessen Lebenslauf, die ihn zu einem klaren Schluss kommen lassen.
Besonders wird dieser Urban Fantasy Krimi letztendlich durch die Darstellung der Werwölfe. Tanya Huffs Werwölfe können sich immer verwandeln, wann sie wollen, solange sie keine Kleidung tragen. Daher laufen die Werwölfe auch in ihrer menschlichen Form meist nackt herum und haben für den Notfall überall Kleidung herumliegen. Sie essen sowohl wie Menschen, gehen aber auch gerne mal auf Frosch oder Rattenjagt in Wolfform und so ermahnt die Mutter den kleinen Werwolf schon mal nicht zu viele Frösche zu essen, es gäbe noch Abendessen. Die Familie ist aufgebaut wie ein Rudel und hat doch auch teils normale menschliche Familienstruktur. Der Vater ist der Alpha Wolf, er verteidigt seine Familie, und Henry muss sehr aufpassen, dass er nicht zu dominant wird, weil er so gar keine Lust hat, das Rudel zu führen. Celucci weiß jedoch nicht, dass es sich bei Vickys Auftraggebern nicht um normale Menschen handelt und verhält sich daher wie ein normaler Cop, und fordert damit nicht nur Henry heraus.
Eine wirklich gelungene Mischung aus sympathischen, fast normalen Werwölfen mit einem ganz normalen Kriminalfall, der sauber ermittelt wird. Die Ermittlungen jedoch haben zwischendurch durchaus ihre Längen, vor allem 1991 als es weder Handys noch Internet gab und man sehr, sehr lange Enzyklopädien wälzte.