Dies ist einer der ungewöhnlichsten und eindringlichsten Krimis, die ich je gelesen habe. Nach A Small Death in Lisbon ist es mein zweiter Roman von Wilson, und ich bin zwar begeistert, aber nicht völlig von den Socken. Das liegt vor allem daran, daß dieses Buch viel zu dicht ist. Wilson packt viel zu viel hinein, zu viel überflüssige Handlung, zu viele Personen, die am Ende überhaupt nicht mehr relevant sind (zu viele lose Enden!), und auch zu viele Zufälle, die Javier immer weiter auf die richtige Spur bringen. Dies alles nimmt dem fantastisch geschriebenen Buch leider einiges an Intensität - weniger wäre sehr viel mehr gewesen. Was mir aber an diesem Buch sehr gefallen hat, war einmal die Gegenüberstellung der hektischen Ereignisse um Javier, nüchtern wiedergegeben in der 3. Person, und die Tagebucheinträge von Francisco Falcón, die einen förmlich das Öl auf der Leinwand riechen lassen. Außerdem ist dies einer der ganz wenigen Krimis, in denen die historischen Ereignisse nicht wie aus dem Lehrbuch abgeschrieben wirken (siehe Minette Walters) und die Schilderungen aus der Kunstwelt in keiner Weise peinlich oder daneben sind (siehe Dan Brown). Beides klingt absolut authentisch, und ich halte dies für die größte Leistung Wilsons. (Nur schade, daß die Künstler dabei so schlecht wegkommen.) Ob die Sache mit den Augenlidern eine Reminiszenz an den Film von Luis Bunuel ist, kann man nur vermuten - das Unbewußte spielt jedenfalls eine große Rolle, und surreal ist dieser Krimi allemal. Fazit: Große Klasse mit kleinen Abstrichen, daher für Leute mit starken Nerven uneingeschränkt empfehlenswert.