Suicide Silence gehören sicherlich zu den kommerziell erfolgreichsten Band der nicht mehr alzu jungen Deathcorebewegung. Auf ihren bisherigen Outputs pflegten sie gekonnt eher auf harte, weniger technische Riffs zu setzen, die zwar so gut wie keine Innovation und Komplexität vorweisen konnten, aber dennoch authentisch waren und sich irgendwie in den Gehörgängen festsetzten.
Allerdings nutzten sich das ganze schon ab dem zweiten Album extrem ab und auch einige kleinere Erneuerungen konnten das nicht wettmachen, denn solangsam hat man im Deathcorebereich so gut wie alles schon gehört und gerade so einen eher stupiden Deathcore, wie in bis dahin Suicide Silence praktizierten, wurde schnell langweilig, da nahezu jede dritte Band aus diesem Bereich als "Suicide Silence Kopie" abgetan werden konnte.
Man konnte es also quasi schon absehen, dass Suicide Silence mit ihrem dritten Album eine Art Kehrtwende praktizieren wollen, um der ewigen Stagnation zu entfliehen, die zur Zeit im Deathcorebereich herrscht, doch ob ihnen das auch gelungen ist, ist fraglich, denn schließlich haben große Innovationen und Ideen nicht zum Erfolg verholfen, den sie heute haben.
Zum Stil des neuen Albums kann man definitiv sagen, dass er nicht mal annäherend so hart ist, wie man es von ihnen gewohnt ist. Sie setzen bei "The Black Crown" (der Titel erinnert zudem stark an das Architects Album "Hollow Crown")eher auf groovige Riffs, die weitaus weniger disharmonisch sind, als auf vorherigen Alben. Manche davon könnte man sogar dem Metalcore zuordne. Sogar elektronische Elemente und einige Blackmetalriffs sind vorhanden. Allerdings hört man eindeutig heraus, dass der größte Einfluss auf diesem Album der Nu Metal ist. Öfters hört man Anleihen an Korn oder Deftones, die, auch wenn sie nicht zu ihrer Musikrichtung passen, seitens von Mitch Luker und Co als ihre Vorbilder angesehen werden.
Mir gefällt dieser neue Mix aus Deathcore, Nu Metal und Alternative Metal nur bedingt. Die etwas härteren und groovigeren Lieder wie z.B. der Opener "Slaves To Substance", der noch eher an ältere Zeiten gelehnt ist, das groovende "Human Violence", der Live-Hit "F*** Everything" oder die erste Single "You Only Live Once" wissen noch zu überzeugen, während Songs wie "The Only Thing That Sets Us Apart", "Crossed-Eye Catastrophe" oder sogar "Witness The Addiction", in dem Jonathan Davis von Korn mitwirkt, eher langweilig, vor sich hin rauschend wirken und das auch vielmehr wegen der neuen Arrangements und einigen Effekten/elektronischen Einflüsse, die eher gezwungen wirken.
Als weiteren großen Kritikpunkt würde ich Mitch Vocals ansehen. Bisher war er, gerade wegen seiner hohen, gepitchten Screams und seiner unmenschlichen tiefen Growls bekannt und ich würde sogar behaupten, dass seine Vocals die Band erst bekannt gemacht haben. Auf "The Black Crown" allerdings worden die Growls sehr reduziert und wenn sie dann doch noch einmal zu Einsatz kommen, wurde mindestens eine weitere Spur von Screams drüber gelegt. Das ist sehr schade, denn auch die Screams wissen nicht mehr zu überzeugen, sie klingen zu heiser und da hilft es auch nicht, wenn man gefühlt 10 Vocal-Spuren übereinander legt, um das ganze wesentlich druckvoller und bombastischer zu gestalten. Gerade diese Übereinanderlegung von sehr vielen Vocal-Spuren geht einem nach vier oder fünf Songs gewaltig auf die Nerven, wie auch beim letzten "Heaven Shall Burn" Output, das jedoch mit anderen Arrangements mehr als überzeugen konnte. Zudem passt das Gesamtbild nicht, denn die Gitarren und das Schlagzeug wurden sauber abgenommen und gerade bei "You Only Live Once" harmoniert das Ganze nicht mehr mit den Vocals, da diese einfach zu bombastisch und überproduziert wirken.
Lyrisch bewegen sie sich nach wie vor meistens auf dem "Slasher"-Niveau, wie auch auf vorherigen Alben, einige sozialkritische Ansätze, aber im Wesentlichen könnte das auch jeder postpubertäre Teenie schreiben.
Alles in Allem ist esfür mich ein "nur" mittelmäßiges Album geworden, das zwar einige gute Songs vorweist, jedoch auch einige Songs besitzt, die einfach zu "gezwungen" daher kommen, da man mit allen Mitteln versucht sich von anderen Deathcore-bands abzuheben und einen eigenen Stil erschaffen will. Live kommt zumindest bei "F*** Everything" und "You Only Live Once" Stimmung auf, da konnte ich mir schon ein Bild von machen, ob das bei allen anderen Songs auch so ist, wage ich zu bezweifeln. Es bleibt abzuwarten, was aus Suicide Silence in der Zukunft wird und ob sie weiterhin zur Spitze des Deathcore gezählt werden können.