'The Big Gay Musical' ist eine schwule Musical-Komödie mit Tiefgang in einer, für eine Low-Budget-Produktion erstaunlich guten Qualität mit wirklich tollen Darstellern. Der Versuch der Filmemacher, die biblische Schöpfungsgeschichte schwul zu erzählen, geht für den Zuschauer in einem unglaublich positiven Feeling auf, das sich einfach nur richtig anzufühlen scheint. Die dabei aufgegriffenen schwulen Klischees sowie die Massen an Kitsch und grellen Farben sind einfach nur herrlich anzuschauen, da sich der Film auf diese Weise selbst nicht ganz so ernst zu nehmen scheint. Den Zuschauer überkommt dabei gelegentlich das lustige Gefühl, als hätte er gerade in eine frische Zitrone gebissen. Die Energie die diese Produktion auszustrahlen scheint, ist offenbar von dem fast vollständig schwulen Filmteam in ihr Produkt übertragen worden.
Den gesamten Film durchziehen einige unterschiedliche Themen. Liebe und Partnerschaft, Sex und Coming-Out, HIV und Religion stehen neben städtischen schwulem Leben ganz oben auf der Agenda, ohne jedoch zu einem Drama oder einer Liebesgeschichte zu verkommen. Für Freunde des Musicals ist der Film auch aus musikalischer Sicht ein ziemlicher Leckerbissen. Viele der dargebotenen Stücke sind sehr gut gesungen und klingen extrem natürlich, was den ganzen Film etwas stimmiger in den Übergängen von Dialog zu Musik macht als es bei herkömmlichen Musicals der Fall ist. Einige Titel sind echte Ohrwürmer. Ich muss selbst aufpassen, dass ich nicht durchs Büro laufe und 'I want to be a slut' singe. Kollegen könnten dies nämlich so verstehen, wie es im Film gemeint ist.
Der Film wird mal wieder als OMU, also als englisch sprachiges Original mit Untertitel vertrieben. Wer den Film in Gänze erfassen möchte, sollte deshalb des Englischen mächtig sein und ebenfalls mit einigen Sprichwörtern, insbesondere aus der schwulen Welt vertraut sein. Die durchaus wichtigen Wortwitze in Dialog und Musik sind per Untertitel nicht rüberzubringen.
Mit 'The Big Gay Musical' hat ein sehr leidenschaftliches Filmteam eine wirklich gute Produktion abgeliefert, die man eigentlich gerne im 'Mama Mia'-Stil einmal auf einer echten Musical-Bühne sehen würde. Knackige Hauptdarsteller, gut geformte Charaktere, Witz und viel nackte Haut erzählen eine mitreißende, erfrischend andere schwule Geschichte, die man am liebsten selbst erleben möchte. An dieser Story sollte deshalb kein schwuler Junge vorbeikommen.