Da (1984) haben es XTC wohl noch einmal wissen wollen. Bei "Mummer" (1983) dachte man ja noch, daß sich jetzt auf's Land zurückgezogen wird, doch weit gefehlt. Hier kracht es und platzt aus allen Nähten. Mühsam gebändigt wird hier alles, was XTC ausmacht, in feingedrechselte Songs gepfropft, daß es recht anstrengend ist, diese Platte durchzuhören. Das erwähnte Linn-Programming der Drums hat zwar viel Zeit in Anspruch genommen, fand aber laut Aussage von Andy Partridge gar nicht soviel Verwendung wie von allen Seiten angenommen.
Einige Wochen haben sie am Opener "Wake Up" im Studio herumgepfriemelt, aber es hat sich gelohnt. Angefangen beim tollen Intro über das gesamte intelligente Arrangement und die waghalsige Struktur des songähnlichen Gebildes: schlicht atemberaubend. Danach geht es mit dem Gassenhauer "All You Pretty Girls" (XTC mal wieder auf See...) in die Vollen (natürlich kein besonderer Hit gewesen). "Shake You Donkey Up" ist das, was sich XTC unter Westernmusik vorstellen: Peitschenknallen, wuchtiger Rhythmus, knallig. Nun ja.
"Seagulls Screaming Kiss Her Kiss Her" wechselt wieder ins maritime Fach und hat u.a. ein hübsches Euphonium-Solo. Gut. Mit dem unspektakulären "This World Over" kann man endlich mal Luftholen, bevor einem mit den für mich nichtssagenden "Everyday Story Of Smalltown" und, völlig orientierungslos, "Reign Of Blows" wieder der Boden unter den Füssen weggerissen wird. Dazwischen: "I Bought Myself A Liarbird", ein toller Popsong mit der schönen Zeile "if it's false or it's true,you can read it in your bible, or on the back of this record sleeve". Überhaupt wieder alles sehr humorig, was die Cleverlies da halbwegs in Form gehauen haben. Und die erste Platte, wo man die Beatles etwas deutlicher in ihnen hörte; z.B. in "I Remember The Sun" (eigentlich sehr harmonisch, aber mit kleinen dissonanten wie exquisiten Gitarren-Einschüben von Dave Gregory) und dem McCartney-verdächtigen "You're The Wish You Are I Had". Schließlich, als super-anstrengender Abschluß, das stampfende "Train Running Low On Soul Coal", das so klingt, wie es sich anhört. Einmal anhören reicht aber; dann hat man die Idee hinter dem Stück verstanden.
Als Bonus zwei B-Seiten, die auch A-Seiten hätten sein können. "Washaway" ist ein fröhliches Moulding-Stück, während Partridge's "Red Brick Dream" für ihn eher untypisch atmosphärisch-sanft daherkommt.
Insgesamt wegen der hier und da übertrieben-berstenden Produktion ein wenig zwiespältig, aber unter der scheinbar unkontrolliert sich Bahn brechenden Oberfläche funkeln doch ein paar kleine Diamanten.
Ich glaube, das war die schlecht-verkaufteste Platte von ihnen (neben "Go 2").