Da ist sie wieder, diese Magie, die schon bei Bessons Kompositionen im drei Jahre zuvor entstandenen
Subway so fasziniert. Die Kongenialität von Carlo Varinis Kamera und Eric Serras Musik kreiert eine Gesamtwirkung, die in manchen Partien einer Kunst-Installation ähnelt. Obschon bereits 1988 entstanden, wird man sich - von kleineren Mängeln abgesehen, die wohl überwiegend auf einen lieblosen HD-Transfer zurückzuführen sein dürften - bis heute schwertun, eindrucksvollere Bilder auf 35 mm Film zu finden.
Die Frauen in Bessons Filmen sind schon Legende - oder sind sie vielleicht bei gerade bei Besson so attraktiv, weil er ihre besondere und einzigartige Schönheit erkennt, verehrt und zeigt? Sowohl bei Isabelle Adjani (30) in Subway als auch hier bei Rosanna Arquette (29) findet man Kommentare, dass man die Damen in keinem anderen Film so verlockend bewundern kann - man mag sich auf dem hochgeladenen Foto davon selbst ein Bild machen. Sicher könnte man auch Anne Parillaud in
Nikita bei dieser Gelegenheit erwähnen - die Mutter von Bessons Tochter Juliette, welcher der vorliegende Film gewidmet ist.
Serra bedient sich wie bereits in Subway wieder mal bei einem aktuell erfolgreichen Ohrwurm - dieses Mal hatte ihn
Sledgehammer, Peter Gabriel Smash-Hit von 1986 (US #1), mächtig beeindruckt - Césars für die Filmmusik und den Ton gab es trotzdem - oder deswegen?
INHALT (enthält Hinweise zum Ende der Erzählung)
"Im Rausch der Tiefe" ist nicht nur ein faszinierendes Liebesdrama, sondern vor allem auch die Heldensaga von Jacques (Jean-Marc Barr, 28) und Enzo (Jean Reno, 40), die gleichzeitig eine Rivalität von Kindheit an, aber auch eine Freundschaft verbindet. Sie sind die Besten in der Tiefe - wenn auch auf völlig verschiedene Art; Enzo verfügt als kräftig gebauter Athlet über ein großes Lungenvolumen, Jacques hat das besondere Talent, seine Körperfunktionen beim Tauchen auf ein Minimum zu reduzieren, wie das auch die Delphine tun. Diesem Talent steht Enzo fassungslos gegenüber - dennoch bleibt er in jeder Situation seinem aus seiner Sicht außerhalb des Wassers unbeholfenen Freund eine fast väterliche Stütze.
Letztlich, ohne das zunächst zu wissen, werden sie den gemeinsamen Weg zum unvermeidlichen Ende suchen - wie Krieger, die von klein auf im Bewusstsein leben, dass bei all ihren Siegen nur eine wirkliche Bestimmung auf sie wartet - der Tod - in "The Big Blue" märchenhaft symbolisiert durch die Meerjungfrau, die im Schwarz der Tiefe auf die wartet, die reinen Herzens sind.
So entfernen sie sich gemeinsam und gegenseitig vom Wettbewerb der Normalen, steigern ihre Leistung ins schier Unglaubliche und suchen dann ihr Ende. Nichts kann sie von ihrer Bestimmung abhalten, nicht einmal die verständnisvolle Liebe der bezaubernden Johana oder Jacques Aussicht, ein eigenes Kind aufwachsen zu sehen. Bessons filmische Umsetzung des lockenden Todes durch den Ruf der Tiefe gehört wohl mit zum Schönsten, was das Kino zu bieten hat.
WÜRDIGUNG
Die Rolle Jean-Marc Barrs beruht auf dem Leben des französischen Apnoe-Taucher Jacques Mayol, der beim Film auch als Berater tätig war.
"The Big Blue" hat tragische, aber auch komödiantische Seiten - siehe dazu auch das Foto. Die Schwere des Stoffes wird ausgeglichen durch den leichten, teilweise ins Alberne gehenden Humor Luc Bessons, die Schönheit der fantastisch fotografierten Natur, die Erkenntnis der ihr innewohnenden Ewigkeit, die Märchenhaftigkeit und die Selbstverständlichkeit, mit der Jacques und Enzo ihren Weg bis zu Ende gehen.
Apnoe-Tauchen kann - wie andere Rísikosportarten auch - zu schweren Schäden oder sogar zum Tod führen. Es kann daher eigentlich nur zum professionelleren Ausübung solcher Sportarten beitragen, wenn ein Film offen auf die damit verbundenen Gefahren aufmerksam macht. So banal es klingt: Liebe, Freundschaft, Tod - das sind doch die Themen des Lebens. Und es ist das, wovon Bücher und Filme nun mal handeln.