Ich kann jeden verstehen, der diese Platte für Mist hält, da die Band beim Aufnehmen derselben offensichtlich keinen Plan hatte. Einen echten klassisch aufgebauten Song gibt es hier jedenfalls nicht (vorher allerdings auch eher selten), stattdessen wird lautmalerisch und mit mal großer, mal kleiner Geste und vielen bunten Farben genußvoll auf eine große Klangleinwand gekleckst. Und da die Burschen talentiert sind, kommt dabei zwar wenig zugängliche, aber dann doch sowohl im Detail als auch im großen Ganzen stimmige Musik dabei heraus.
Die Beta Band selber distanzierte sich schnell von diesen Aufnahmen, erklärten sie, der mangelnden Zeit geschuldet, für verunglückt, aber ich habe eine gewisse Schwäche für dieses Album.
Es beginnt mit dem kruden 'Beta Band Rap', einer ironisch gebrochenen Song-Collage aus Beach Boys, Beck, Beastie Boys on dope und etwas durchgeknalltem lakonischen Rockabilly. Als Song völlig unbrauchbar, aber als Intro für diesen unkoordiniert verwendeten Experimentierbaukasten exemplarisch.
Das folgende 8-minütige 'It's Not To Beautiful' klingt zunächst nach frühen Pink Floyd. Scheinbar wild platzierte Soundtrack-Samples verwursten den klassischen Ansatz aber schnell zu einem nur als wahnsinnig einzustufenden Songfragmentenpuzzle. Klar hätte man aus der starken Gesangsmelodie einen akkurat angelegten, gleichschenkligen Song zimmern könnnen, aber die Beta Band hat eben einen Faible für verwunschene Nischen, verspielte Rundbögen und astlöchrige Balken hier und da. Schließlich verdaddelt man sich in den verrauchten Kamin und schwebt sanft gen Himmel.
Was das kurze 'Simple Boy' will, ist (auch) nicht ganz ersichtlich. Die Kombination aus comichaftem Text und der Andeutung eines Songs klingt aber trotzdem cool.
'Round The Bend' dagegen klingelt, pflatscht und tutet gar fröhlich-unbekümmert über die vom Morgentau noch feuchte Sommerwiese. Dazu kommen ein paar überraschend aus dem Wald heraustretende Breaks, dilettantischstes Steeldrum(-imitat?)-Gedengel, was alles ein wenig an Syd Barrett erinnert. Im Text wird noch eine launige Analyse der beiden Beach Boys-Alben 'Wild Honey' und 'Pet Sounds' frei Haus geliefert.
'Dance O'er The Border' fängt wie verdubbte Yello an, verliert sich zügig in Sound- und Stimmengewirr und hört sich insgesamt doch sehr nach 'fool around on tapes" an. Klingt erstmal sinnlos, macht aber in diesem Albumkontext Sinn.
Da, so denkt man, kommt 'Broken Up A Ding Dong' gerade recht (obwohl man bei diesem Titel schon mißtrauisch werden müßte), der zuerst selbstbewußt wie der erste echt durchkomponierte Song auftritt, aber natürlich landet er, ehe man verdammich-was-ist-das-denn sagen kann, im Mixer und wird zu einem wild durcheinanderpurzelnden Sound/Stimmenmus und anarchisch, wenn auch fein säuberlich, dekonstruiert, um jeden Verdacht im Keim zu ersticken, dass hier einmal etwas normal läuft, was in diesem Fall vielleicht ein bißchen schade ist.
Auch 'Number 15' ist ein dubbiger Song, zwar mal ohne willkürliche Breaks, aber trotzdem benebelt über die Bühne taumelnd, durch das Parkett turnend und sich von Rang zu Rang schwingend. Viele von den ursprünglich geneigten Zuhörern werden das wahrscheinlich für enervierend halten und spätestens jetzt den Saal verlassen.
Aber noch ist nicht Feierabend: Mit vergleichsweise wuchtigem Drumsound erhebt das mit 8 Minuten etwas zu lange 'Smiling' sein wundersames Haupt, das alsbald in einen Micky-Mausigen Dub-Rap abdriftet und alles einsetzt, was ein Tonstudio so hergibt.
Kurz vor dem Vorhang noch einmal Umziehen: 'The Hard One'. Indeed. Ein 10-minütiger weiterer anstrengender Trip durch das hügelig-unzugängliche Betaland. Ein improvisiertes, löchriges Gatter umzäunt das verwucherte Gelände. Wir sehen in Zeitraffer Sümpfe, Wiesen, Dickicht und Maulwurfshügel vorbeiziehen, und irgendwo schlängelt sich die ganze Strecke über ein plätschernder Bach durch das unzugängliche Unterholz. Eine bewohnte Blockhütte ist nicht auszumachen, obwohl am Ende der Exkursion so etwas wie ein Trampelpfad erkennbar wird, der dann aber doch wieder ins Nichts führt. Aber immerhin gibt es viel zu sehen.
Der letzte Track, 'The Cow's Wrong' gemahnt dann nochmal an einen in die Jetztzeit gebeamten Syd Barrett, klingt also irrwitzig, gedankenversunken und orientierungslos, aber irgendwie hübsch. Ein richtiger Song ist das allerdings auch wieder nicht.
Puh. Geschafft.
Die Einnahme von bewußtseinserweiternden Substanzen erleichtert wahrscheinlich den Zugang zu diesem abstrusen, spleenigen und überbordenden Machwerk. Ich benötigte keine. Auch wenn sich manche Beschreibung (?) danach anhört. Guten Appetit. Soll aber hinterher keiner sagen, ich hätte nicht gewarnt.