Ich erlebte die argentinische Sängerin Mercedes Sosa am 26. Oktober 1999 in der Dresdner Kreuzkirche, die Kirche war besetzt bis auf den letzten Platz.
Auf der Bühne, von einem einzigen Scheinwerfer bestrahlt, hat die damals 64-jährige Mercedes Sosa, die oft die "Stimme der Hoffnung und Gerechtigkeit Südamerikas" genannt wird, tausend verschiedene Gesichter. Mal ist sie alter Inka am Lagerfeuer, mal junges Mädchen, das zum ersten Mal verliebt ist, mal die Bäuerin, die sich zu den Rhythmen eines Dorftanzes oder auch bedrohlich rollender Panzer bewegt, die in den Straßen und im Bewusstsein ihres Heimatlandes blutige Spuren hinterließen. Und ihre Stimme gleitet dahin und greift unmerklich andere südamerikanische Rhythmen auf. Sie war in Dresden keine Unbekannte wurde mit tosendem Beifall empfangen, der auch zuletzt immer wieder Zugaben erhoffte.
Die unglaubliche Wärme und Präsenz dieser Frau mit ihrer einzigartigen Stimme faszinierten mich sehr. Immer und immer wieder höre ich die „besten" ihrer Lieder, ganz verschieden in Interpretation und Ausstrahlung. So die Hymne an das Leben: „Gracias a la vida", ein Song von Violetta Parra und „Sólo le pido a dios", gesungen mit dem Songwriter Leon Gieco, der ganze Kosmos öffnet sich bei „Luna", dem letzten Lied auf der CD.
Mercedes Sosa und ihre Lieder sind mir in den letzten Jahren so vertrat geworden, eine zuverlässige Begleiterin , vor allem auch in Situationen, die den Mut und die Hoffnung einer starken Frau erfordern.