Da ist sie nun, die erste "Best of" von Radiohead. Der Zeitpunkt ist nach fünfzehn Jahren Schaffenszeit sicherlich gerechtfertigt, die Art und Weise wohl nur bedingt. Radiohead sind nicht mehr bei Parlophone und diese bringt nun diese CD heraus, wohl ohne die Band mit einbezogen zu haben. Die Frage nach dem Ausverkauf liegt nah. Dennoch sollte man zwei Punkte berücksichtigen: Parlaphone hat Radiohead, besonders zur Entstehungszeit von "OK Computer", gestützt und den Schaffensprozess, der zu dieser so wichtigen CD notwendig war, geduldig abgewartet und der Band nach dem Erfolg von "OK Computer" künstlerische Freiheit gelassen hat, die im Ergebnis von "Kid A" ihren Höhepunkt erreichte. Dieses Album muss für jeden Geschäftsmann der Musikindustrie zunächst ein Albtraum gewesen sein. Für uns Musikkonsumenten ist sie ein grandioses Erlebnis. Zum zweiten scheint man die "Best of" als abschließendes Ergebnis der Zusammenarbeit herauszubringen und nicht als Melkmaschine (Volume one, Volume two etc.) zu installieren. Genug dazu: Die Auswahl der Einzel aber auch der Doppel-CD ist fabelhaft und in ihrer Bedeutung gemäß der Entwicklung angemessen. Sicherlich ist die große Überraschung, dass es sechs Songs von "The bends" hier auf die CD Nummer eins geschafft haben, diesem Werk mit dem Radiohead so sehr von "Creep" wegkommen wollten und um künstlerische Anerkennung gekämpft haben. Im Nachhinein scheint "The Bends" dann doch mehr Einfluß auf Bands wie Coldplay etc. gemacht zu haben, als "OK Computer", mit denen sich nachfolgende Bands dann doch nicht messen konnten oder wollten. Auch die Reihenfolge der track list nicht chronologisch, sondern eher dramaturgisch anzulegen, macht Sinn und wirkt ausgewogen. Die zweite Seite beinhaltet (objektiv)weniger wichtige Songs der Band, die aber sicherlich bei dem ein oder anderen Radiohead-Fan besondere Bedeutung haben dürften. So gehört "True love waits" als Abschluss zu meinen ganz persönlichen Favoriten. Der Sinn von "Best of" CDs für den Fan mag nicht diskutiert werden, da dieser ja eh über das gesamte Material, mit Ausnahme vielleicht von "Talk show host", verfügen wird. Als Monument und Dokument, welchen Stellenwert Radiohead besitzt, ist diese Compilation absolut gerechtfertigt. Bleibt zu hoffen, dass nun nicht noch demnächst B-sides und Live-tracks von Parlophone auf den Markt geworfen werden. Dann ist Schluss mit Verständnis.