Etwas mehr als 14 Jahre ist es her, dass "Design of a decade", ihr erstes und bislang einziges Best-Of-Album, erschienen ist. Nun, heute sind es ein paar Hits mehr, aber ihr Stern scheint heute letzten Endes mehr oder weniger nur noch so hell aufgrund der Hits dieser ersten Dekade.
Nichts desto trotz hat Janet stets Maßstäbe gesetzt, wenn auch in jüngster Zeit nicht mehr so nachhaltig wie noch zu Beginn ihrer Karriere.
"The Best" bzw. "#1s" ist prall gefüllt mit Hits und davon hat Ms Jackson nun mal jede Menge. Sehr lobenswert ist, dass im Gegensatz zu "Design of a decade" die Hits auf dieser Sammlung in chronologischer Reihenfolge geliefert werden. Auch hier natürlich nur die Hits seit "Control", ihrem damals bereits dritten Album.
Nach allen 6 Single-Hits aus "Control" gibt es hier endlich die großartige Co-Operation mit Herb Albert "Diamonds" aus 1987 zu hören, die in Europa viel zu wenig Beachtung gefunden hatte, aber zumindest Platz 5 der Billboard Charts erreichte.
Weiter geht's mit sämtlichen 7 US-Top-5-Hits aus einem Album (= damaliger Rekord), wovon 4 sogar die Spitze der Charts eroberten: "Rhythm Nation 1814", das gigantische Album, das die Superlative von "Control" um zahlreiche Rekorde toppte. Neben den Singleversionen der meisten Hits und der Albumversion von "Rhythm Nation" gibt es den Video-Remix des Anti-Drogen-Songs "Black Cat" zu hören. "Love will never do", die siebte Singleauskopplung des Albums (und dennoch Nummer 1 der Billboard Charts), kommt im Singleremix daher, der damals passend zu dem stylischen Herb Ritts-Video und der damals erstmalig "freizügig" auftretenden Janet entsprechend aufpoliert worden ist.
Der Remix von "Best things in life are free" ist zwar sehr tanzbar, klingt aber mehr nach Guest-Star Ralph Tresvant und Bell Biv Devoe, seinen Kollegen von New Edition, als nach Janet selbst. Nichts desto trotz aber einer der großen Janet-Hits, massiv getragen von Luther Vandross.
Bei den Hits aus "Janet" wird nun bereits selektiert: "Throb" und "You want this" fallen hinten runter, was aus europäischer Sicht nicht dramatisch ist. Der Überraschungs-Hit des Albums "Whoops now" (ursprünglich ein Hidden Track auf "Janet") wird auf "The Best" zwar an chronologisch falscher Stelle geliefert, aber im Gegensatz zu "#1s" ist er hier enthalten. Die anderen 5 Riesen-Hits wie z. B. das rhythmische "That's the way love goes" und das sinnliche "Any time any place" sind aber auf dem Album enthalten.
"Scream" - das vermeintliche Super-Duett der erfolgreichsten Jackson-Geschwister blieb zwar chartsmäßig leicht hinter den immens hohen Erwartungen zurück, ist aber - unterstützt von einem der teuersten und besten Videos aller Zeiten - ein grandioser Track, der zurecht auf diesem Album gelandet ist. Nicht zuletzt durch den Tod von Michael ein sehr wertvoller Track.
"Runaway" komplettiert das erste Jahrzehnt dieser Ausnahme-Künstlerin, die von nun leider einem stetigen Abstieg, was Charts-Erfolge und Verkaufszahlen angeht, unterlegen ist.
Ausnahme ist noch zum Ende der Neunziger das tiefgründige und musikalisch hervorragende "The velvet rope", aus dem 6 große Hits hervorgegangen sind, von denen wir hier 4 wiederfinden ("You" und "Everytime" sind hinten runter gefallen).
Ein weiteres damals teuerstes Video aller Zeiten gab es zu dem Duett mit Busta Rhymes "Whats it gonna be", einem genialen Song, der optisch super untermalt wurde. Ihre vorletzte Nummer 1 in den US-Charts erreichte Janet mit "Doesnt really matter", einem eher einfachen aber dennoch einprägsamen Song zu "Ein verrückter Professor" mit Eddie Murphy. Gefolgt von der bislang letzten #1 in den US-Charts "All for you". Aus dem gleichnamigen 2001er Album fehlt leider das groovige "Son of a gun" mit Missy Elliot, einem Carly Simon-Cover. Bei den Nachfolge-Alben "Damita Jo", "20 Y.O." und "Discipline" stellt sich die Frage, welche Single-Auskopplungen + Hits es gab, dennoch fanden einige wenige dieser Tracks zurecht den Weg auf dieses Best-Of-Album. In den Charts leider zu Unrecht wenig erfolgreich abgeschnitten, sind es dennoch großartige Janet-Songs wie z. B. "All nite" aus Damita Jo, der auf "The Best" leider ebenso fehlt wie die 1. Single aus "Damita Jo" (= Just a little while). Auf "#1s" ist zumindest "All nite" als Repräsentant für "Damita Jo" enthalten.
Das erfrischende und unter neuem Produzenten-Team (nach über 20 Jahren mit Jimmy Jam + Terry Lewis) erschienende "Feedback" aus "Discipline" rundet das Best-Of ab, bevor es zum Schluss noch den einzig neuen Track "Make me" gibt, der sich in den erfrischenden Sound von "Feedback" einreiht, aber irgendwie hastig + übereilt klingt und von daher sicherlich in den Charts weniger Beachtung finden wird, als Ms Jackson es vermeintlich verdient hätte.
Endlich gibt es diese Vielzahl an Hits aus 23 Jahren herausragender Musikkarriere in dieser (leider etwas) konzentrierten Zusammenstellung, denn ihre Kooperationen mit Jay-Z und Shaggy hätten durchaus auch auf das Best-Of gepasst. Kann man nur hoffen, dass das nächste Janet-Album endlich wieder nach den Sternen vergangener Zeiten greift. Nichts desto trotz: Janet's best! Janet's #1!