An wenigen Musik-Projekten schieden sich die Geister der Fans so sehr wie an den American Songbook Alben von Rod Stewart. Verständlich. Wenn man Swing-Jazz nicht sonderlich mag, Rod Stewart als markanten Sänger zwischen progressivem Rock und Mainstream-Edel-Pop verehrt, dann gehen die fünf Alben, auf denen er sich im scheinbar unerschöpflichen Fundus großer amerikanischer Jazz und Swing Standarts austobte, an einem vorbei.
Andere, so auch ich, empfanden diese Alben als hochinteressante Repertoire-Erweiterung des Altmeisters, als Beweis seines Facetten-Reichtums und Könnens. Jedes der fünf Alben ist meisterlich eingespielt, die Songs sind nicht grundlos seit Jahrzehnten Kultur-Standarts und meine Ohren empfinden Rod Stewarts Stimme auch als geradezu prädestiniert (auch) für diese Musik. Das ist letzlich Geschmacksache. Aber bei aller Enttäuschung, teilweise sogar Entrüstung derer, die mit diesen Ausflügen ins Big Band Lager überhaupt nichts anfangen können, müssen selbst jene anerkennen, daß der Erfolg dieser Alben gigantisch war und man somit wohl annehmen muß, daß es sehr viele Menschen gibt, die den Swingin'Rod mögen. Jedes der fünf Alben für sich, bekäme von mir 4-5 Sterne:
- It had to be you (2002)
- As time goes by (2003)
- Stardust (2004)
- Thank you for the memory (2005)
- Fly me to the moon (2010)
Dieses hier nun vorliegende "The best of the Great American Songbook" gibt mir Rätsel auf. Es wird irgendwie nicht wirklich klar, für wen dieses Album gedacht ist. Der Fan hat ohnehin alle fünf Alben. Das einzig neue Lied auf dieser Best of ist "You'll never know" (wie passend!) und dies ist sicher qualitativ ebenbürtig mit allen fünf Alben, aber man muß schon sehr Fan sein, um wegen eines Liedes die CD zu kaufen. Der Gelegenheits Rod Stewart Hörer, definiert ihn nicht über Swing und Jazz und wird folglich eine andere Best of kaufen, derer es ja nun wahrlich genügend gibt. Und wer zwar nicht totaler Fan ist, nun aber doch gern mal eines der Swing-Alben kaufen und hören möchte, könnte eben genau dies tun, egal welches der fünf, denn sie unterscheiden sich in ihrer Aura, ihrem Charakter nur minimal.
Fazit: Ein Album das eigentlich niemand braucht. Wer einfach nur mal eine und nicht alle Swing-Platten von Rod Stewart im Schrank haben will, ist mit dieser Best of (da es sie ja nun mal gibt) ohne Zweifel gut beraten, wäre es aber auch mit jedem der fünf regulären Songbook-Alben. Der Rod-Fan der dieses Songbook-Projekt insgesamt liebt, muß wisssen, ob ihm ein (wenn auch wirklich gutes) Lied als Kaufgrund genügt.
Um den Quatsch noch Quätscher zu machen, gibt es das Album auch noch in zwei Varianten. Mit 14 und mit 18 Titeln. In jedem Fall eine CD und die vier Titel mehr entspringen auch "nur" den Vorgänger-Alben, also kein aufregender Bonus. Was auch immer in der Plattenfirma inhaliert wird, es muß stark sein...
Fünf Sterne die Musik / Ein Stern das Produkt-Konzept