Manchmal könnte man wirklich neidisch werden, wie ungerecht Schönheit, Talent und Charisma verteilt sind. Chet Baker hatte all das. Und dennoch ist es gerade der tragische Aspekt seiner Persönlichkeit, der seine Musik noch atemberaubender macht. Mit Anfang 20 stieg er kometenhaft zu einem der erfolgreichsten Jazzmusiker der 50er Jahre auf. Keine zehn Jahre später brachten seine Drogeneskapaden seine Karriere und sein Leben aus der Bahn. Selbst im Tod blieb er unberechenbar. 1988 starb Chet Baker durch einen Sturz aus einem Hotelfenster in Amsterdam.
Um mich komplett um den Finger zu wickeln, brauchte Chet Baker exakt 10 Takte: solange dauert es nämlich, bis er auf dem ersten Stück zu singen beginnt. Ich habe selten eine schönere Stimme gehört: sie kriecht einem förmlich unter die Haut, so sanft ist sie. Und immer schwingt in ihr ein Stück Wehmut, Zaghaftigkeit und unschuldiger Verliebtheit mit, so dass einem beim Zuhören die Sehnsucht fast die Kehle abschnürt. Am eindringlichsten finde ich deshalb gerade die extrem ruhigen Stücke, die zu zögern und anzuhalten scheinen: das tieftraurige „The thrill is gone", das samtige „My funny valentine" und das melancholische „I get along without you very well". So wie er singt, spielt Chet Baker auch Trompete. Gerade die zurückhaltende Art macht für mich seine Musik so intensiv und ergreifend. Fazit: einfach nur schön! (It surely breaks your heart in two...)