Keine Frage - Taleb kann hervorragend schreiben. Viele der Aphorismen lesen sich sehr schön - pointiert, elegant, augenzwinkernd. Doch die Form zu beherrschen ist nur die halbe Miete - man muss auch Inhalte dafür haben. Und da liegt bei diesem Prokrustesbett leider der Hase im Pfeffer: ein großer Teil der Aphorismen ist entweder schlüssig, aber so banal, dass es keiner Verschriftlichung bedurft hätte, oder provokant und anregend, doch bei genauerer Betrachtung viel zu grob (ein Fünkchen der Wahrheit ex cathedra als DIE Wahrheit verkauft, ein Teilaspekt mit dem Ganzen verwechselt).
Dass das Buch zudem sehr stark von den Vorlieben und Abneigungen des Autors geprägt ist, stört nicht zwingend, sondern könnte im lahmen akademischen Philosophiebetrieb erfrischend sein. Dass für Taleb jedoch oft seine Abneigung gegen etwas Grund genug ist, es als widerlegt zu betrachten, ohne dafür einer Argumentation zu bedürfen, zeugt zwar von gesundem Selbstbewusstsein, macht die Lektüre aber für den selbst denkenden Leser nicht zwangsläufig erhellend. Direkt ärgerlich wird es dann bei den diversen Selbstbespiegelungen und Selbstbeweihräucherungen des Autors (ich, mein Werk, meine Herkunft, mein Lebensstil), die mitunter an Nietzsches "Ecce Homo" gemahnen - nur ohne dessen Selbstironie.
Die sehr hochtrabenden Titel und historisch-mythologisch-literarischen Referenzen können die Themenarmut des Buches auch nur notdürftig kaschieren. Was hier gelobt wird (Muße, Müßiggang, Antike, Ehre, Rückgrat, Bildung, Selbstbestimmtheit, Initiative) und was verachtet wird (Karrierismus, Opportunismus, Pseudoexpertentum, Betriebsblindheit, Leichtgläubigkeit, Borniertheit, Technologie) ist nach den ersten Seiten klar, die weiteren Seiten fügen dem nicht mehr viel an Einsichten und Aspekten hinzu.
Die zwei Sterne gibt es schließlich für die wenigen sehr lesenswerten, wirklich erfrischenden und inspirierenden Aphorismen, die sich in diesem insgesamt eher ärgerlichen Buch dann doch finden. Es ist schön und bereichernd, diese provokanten Stücke Weisheit "mitgenommen zu haben" - noch schöner wäre es gewesen, dafür auf den Rest verzichten zu können.